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Radsportnews International

in Presse 28.03.2009 15:09
von Kai | 999 Beiträge

Ronde van Vlaanderen[/size]



Wer kann einen Stein mit seinem Namen hinzufügen?


28.03. Nächsten Sonntag ist es soweit: Die Woche der großen Pavé-Rennen beginnt. Endlich möchte man meinen, nach einem Marathon von Vorbereitungsrennen wie Nokere-Koerse oder dem E3 Prijs van Vlaanderen.
Auftakt dieser legendären Woche bildet wie immer die Ronde van Vlaanderen am Sonntag, bevor es Mittwoch bei Gent-Wevelgem weitergeht und schließlich bei Paris-Roubaix der Abschluss erfolgt. Für viele ist diese Woche die interessanteste im ganzen Radsportkalender, was an den großen Geschichten, den schweren Strecken und den heldenhaften Siegern liegen mag. Auch in diesem Jahr herrscht eine große Vorfreude auf die Ronde van Vlaanderen, die vor allem durch ihre vielen Hellingen auf eine ähnliche Schwierigkeit wie Paris-Roubaix kommt. Allein die Namen dieser Hellingen machen schon Lust auf mehr: Die Muur von Gerardsbergen, der Bosberg - das sind wohl die bekanntesten dieser Hellingen, die kurz vor dem Ziel vor allem auch rennentscheidenden Charakter haben.
Wer die besten Chancen hat, am Ende bei der Flandern-Runfahrt ganz oben zu stehen und damit vielleicht den Auftakt zu einer grandiosen Siegesserie schaffen kann - Hier lesen Sie es.

Alessandro Ballan




Alessandro Ballan geht in diesem Jahr mal einen ganz neuen Weg der Vorbereitung. Erst die Tour of California, dann Paris-Nizza, das mag ja normal sein. Aber kein einziges Pavé-Rennen in seiner Vorbereitung ist schon eine große Überraschung. Ob da nicht die Rennpraxis auf dem schwierig zu befahrenden Untergrund fehlt? Das dürften sich nicht nur die Fans fragen, auch Ballan selbst ist nach dürftigen Resultaten in dieser Saison sicher nicht ein Muster an Selbstbewusstsein. Wobei die Psyche bei einem erfahrenen Weltklassemann wie Ballan sicher das geringste Problem sein dürfte. Viel mehr sollte man sich um seine Form sorgen.
Dass er an sich die Anlagen hat, diese Ronde zu gewinnen, hat er schon eindrucksvoll gezeigt, als er im Jahre 2007 als Sieger Leif Hoste und Luca Paolini auf die undankbaren Plätze verwies. Im letzten Jahr folgte dann ein sechster Rang bei einem seiner selbsternannten Lieblingsrennen. Das war für seine Ansprüche natürlich zu wenig, aber ob es in diesem Jahr zu mehr reicht? Das wird auch an seinem neuen Team, Rabobank, liegen. Dort ist man auf dem Papier recht gut aufgestellt. Der Italiener hat mit Wouter Weylandt einen endschnellen Kopfsteinpflaster-Spezialisten an der Seite, der wohl bei Gent-Wevelgem selber ganz vorne rein will. Dazu kommen mit Kurt-Asle Arvesen, Steven de Jongh, Jost Posthuma und Stefan van Dijk sehr erfahrene Leute, von den einer schon für Cancellara und zwei schon für Boonen fuhren. Das Team ist also sehr gut zusammengestellt, daran wird´s nicht liegen.
Sollte Ballan wirklich nicht in ausreichender Form sein, so hat man bei Rabobank übrigens noch eine Alternative: Thor Hushovd. Der Norweger zeigte sich bei de Ronde und in Roubaix zwar noch nicht ganz vorne, soll aber stark verbessert auf Kopfsteinpflaster zu recht kommen.


Tom Boonen




Immer wenn´s auf Kopfsteinpflaster geht, ist er der Topfavorit: Tom Boonen. Er kommt so gut wie kaum ein Zweiter über den anspruchsvollen Untergrund, und sein größer Vorteil ist, dass ihn fast keiner seiner Pavé-Konkurrenten schlagen kann, wenn sie zusammen mit Boonen auf die Zielgerade bzw. ins Velodrome von Roubaix kommen.
Bei der Ronde van Vlaanderen sah man im letzten Jahr jedoch gar nichts von Tom Boonen. Er wurde einfach nicht nominiert, zu Hause gelassen vom Ex-Manager leif. Kurze Zeit später fuhr Boonen bei Paris-Roubaix zwar noch auf den vierten Rang, doch diese Schmach der Nicht-Nominierung bei der Ronde ließ Boonen nicht auf sich sitzen und wechselte kurze Zeit später zum Team Columbia, wo er allerdings nicht mehr der Star, sondern ein Star unter vielen ist. Nichtsdestotrotz dürfte Boonen auf Pavé im eigenen Team keiner was vormachen. Sein Team wird ihm dennoch wohl eine große Hilfe sein können. So hat er mit Kevin van Impe einen seiner früheren Quick Step Helfer mitgebracht und zudem noch Gregory Rast ins Team geholt. Wertvollster Helfer und zugleich wohl auch Joker dürfte Marcus Burghardt sein, der wohl einzige Deutsche außer Haussler mit großen Ambitionen auf dem Kopfsteinpflaster.
Die Form bei Tom Boonen stimmt. So wurde er Zweiter bei Omloop het Nieuwsblad und gewann sogar Quer durch Flandern. Damit dürfte er neben Flecha, der bereits zwei Pavé-Rennen 2009 gewinnen konnte, der Fahrer mit der augenscheinlich besten Form sein. Ob´s dann auch zu größeren Erfolgen reicht, wird man bald sehen.

Juan-Antonio Flecha




Juan Antonio Flecha ist wirklich in einer Galaform. Erst gewann er Omloop het Nieuwsblad, wenige Tage später konnte er auch die nicht ganz so bekannte Campina Ronde van de Groene hart gewinnen. Sein Trumpf bei den Kopfsteinpflaster-Rennen ist neben seiner guten Form im Augenblick wohl vor allem die Tatsache, dass er, gerade in Hinsicht auf die Flandern-Rundfahrt einen mindestens gleichstarken Teamkameraden hat. So wurde er von diesem bei der Flandern-Runfahrt 2008 geschlagen, die Rede ist von Nick Nuyens. Der Vorjahressieger der Flandern-Rundfahrt verstärkt die Klassikerabteilung bei Bouygues, sodass das Team gerade bei der Ronde sehr schwer auszurechnen ist, auch wenn Flecha bis dato die bessere Form zeigte. Zudem hat Flecha eine aufsteigende Tendenz bei der Ronde: 2007 war er Dritter, 2008 Zweiter, da scheint 2009 nur ein Ergebnis in Frage zu kommen. Er hat den großen Coup bei der Ronde auf jeden Fall im Blick, nachdem er 2008 zum ersten Mal Paris-Roubaix gewinnen konnte.
Sein Team ist mit Nick Nuyens natürlich variantenreich aufgestellt. Neben Nuyens hat man mit dem U23-Sieger von Paris-Roubaix, Tom Veelers, sowie Nico Eeckhout gute Helfer. Hinzu kommen noch junge, hungrige Fahrer wie Robert Wagner oder Remi Cusin. In der Breite ist das Team also nicht ganz so stark, dafür hat es gleich zwei absolute Siegaspiranten an Bord.

Fabian Cancellara




12. Flandern, 21. Gent-Wevelgem, 6.Paris-Roubaix. Das die ernüchternde 2008er Bilanz auf Kopfsteinpflaster für den Schweizer Fabian Cancellara. Kein einziger Top 5 Platz, eine sehr enttäuschende Vorstellung des Schweizers. 2007 sah es noch schlechter aus, nicht einmal ein Top15 Platz für den Schweizer. Dass er wirklich zur absoluten Elite auf Pavé gehört, muss er erst wieder beweisen. Trotzdem wäre man töricht, wenn man ihn nicht auf der Rechnung hätte, wenngleich man Fahrer wie Boonen und Flecha ihm voraus sieht.
Aber gerade das könnte seine Chance sein. Die ganz große Favoritenbürde liegt diesmal nicht bei ihm, zudem hat er ein starkes Team, aus dem auch andere in die Rolle des Kapitäns schlüpfen könnten. Dennoch geht Cancellara natürlich als nomineller Kapitän zumindest in die Ronde und in Roubaix. Bei Gent-Wevelgem wird wohl sein Teamkollege van Avermaet auf eigene Kappe fahren dürfen.
Und wie ist die Form? Schwer zu sagen, zumindest die Form auf Kopfsteinpflaster ist nicht bekannt. Ähnlich wie Ballan geht Cancellara einen ungewöhnlichen Weg der Vorbereitung und startet bei keinem der kleinen Pavé-Rennen zur Vorbereitung. Deswegen ist er umso mehr ein Fragezeichen.
Sein Team steht allerdings: Mit van Avermaet, van Summeren und Breschel hat er gute Helfer. Ein ganz interessanter Mann wurde kurz vor Toreschluss verpflichtet: Der Niederländer Lars Boom. Ob er bereits ganz vorne reinfahren kann? Da darf man wirklich gespannt sein, das Potenzial wird ihm seit Jahren nachgesagt.

Stijn Devolder




Er ist vielleicht nicht der ganz große Name, wenn es um´s Pavé geht, doch ihn gilt es zu beachten, so wie das ganze Team von Ag2r. Man hat nicht wie Flecha oder Boonen den seit Jahren beständigen Kopfsteinpflaster-Fahrer, sondern kommt vor allem auch durch das Kollektiv. So stehen mit eben Devolder, Karsten Kroon und auch Filippo Pozzato drei Fahrer im Aufgebot, die bei der Flandern-Rundfahrt mindestens auf das Podest fahren können. Gerade taktisch ist man gut gerüstet, da man mit Kroon bzw. Devolder Attacken fahren kann und Pozzato als endschnellen Mann quasi hinter sich weiß.
Für die großen Pavé-Erfolge reichte es in diesem Jahr aber noch nicht. Ein achter Platz für Kroon bei Omloop het Nieuwsblad, ein dritter Platz bei Nokere-Koerse durch Manuel Quinziato, und schließlich ein dritter Rang bei Quer durch Flandern druch Devolder. Also noch kein Sieg, aber immerhin zwei Podiumsplätze, vor allem durch zwei verschiedene Fahrer. Vielleicht heben sie sich die Siege ja für die großen Rennen auf?
Auf der Rechnung haben muss man Devolder auf jeden Fall, gerade weil sein Team so viele taktische Varianten hat wie kaum ein anderes. Und zudem mit Kevin Ista vielleicht einen der Newcomer der Saison?

Leif Hoste




Er hat wohl eine ganz besondere Beziehung zur Ronde van Vlaanderen. Zweimal Zweiter in zwei aufeinander folgenden Jahren, und das bei so einem großen Rennen, das tut natürlich enorm weh. 2006 und 2007 gelang dies Leif Hoste bei der Flandern-Runfahrt. Und das dramatische: 2008 setzte er mit einem zweiten Rang bei Paris-Roubaix „noch einen drauf“. Der ewige Zweite Leif Hoste. Diesen Ruf will er aber natürlich loswerden und ist topmotiviert um allen zu zeigen, dass Leif Hoste tatsächlich ein großes Rennen gewinnen kann.
Dazu wechselte er sogar das Team. Nach erfolgreichen Jahren bei Silence-Lotto will er heuer bei Katyuscha angreifen. Sein einziges Problem in diesem Team könnte die fehlende Helferschar sein. Denn mit Serguei Ivanov hat er nur einen Fahrer im Team, der ihm wohl lange zur Seite stehen kann. Vielleicht wird man bei Katyuscha noch mal tätig auf dem Transfermarkt, doch im Moment sieht es in Sachen Helfer eher mager aus.
Auch die Vorbereitung lief nicht optimal, so konnte Hoste bei noch keinem der kleineren Pavé-Rennen bis dato ganz vorne ankommen, sodass hinter seiner Form auch ein Fragezeichen steht. Zudem wechselte erst vor kurzer Zeit der Manager des Teams. Das kann sich natürlich sowohl positiv als auch negativ auswirken, man darf gespannt sein auf Leif Hoste.

Philippe Gilbert




Ihm wird großes Potenzial nachgesagt, doch bisher konnte er dieses bei den ganz großen Pavé-Rennen nur begrenzt abrufen. So steht mit einem 5. Rang bei der Ronde 2008 sein bestes Resultat zu Buche. Dass er mehr kann, wissen fast alle, dass er mehr will, auch. Er muss nur noch ruhiger und taktisch klüger agieren, dann gehört er zu den größten Siegesanwärtern.
Seine Vorbereitung lief gut. Bei allen der kleineren Pavé-Rennen war er am Start. Mit guten Resultaten, dreimal in den Top Ten, davon sogar einmal auf dem Podium. Und das bei seinem „Hausrennen“ Omloop het Nieuwsblad, dessen Strecke ihm einfach entgegenkommt. Er konnte zwar nicht wie im Vorjahr siegen, dennoch zeigte er, dass die Form passt.
Auch sein Team ist sehr ordentlich. Zwar ist Gilbert wohl klarer Anführer, doch mit Langeveld steht ein weiterer, sehr junger, Fahrer in Reihen von Francaise des Jeux, von dem man viel erwartet, und mit dem als Helfer Gilbert vielleicht den großen Coup schafft. Auch der Rest des Kopfsteinpflaster-Teams ist mit jungen, hungrigen Fahrern wie Gianni Meersman, Pieter Jacobs oder Damian Gaudin gespickt, denen ihr geringes Alter aber bei der Rennlänge vielleicht sogar zum Verhängnis werden könnte.

Und wen muss man sonst noch beachten?




Natürlich gibt es neben den Topfavoriten noch ganz andere Fahrer, die gehandelt werden. Neben den Teamkollegen der ganz großen Favoriten wie Nuyens, Pozzato oder Kroon, gibt es auch Fahrer, die die Kapitänsrolle in ihrem Team haben und denen einiges zuzutrauen ist. So ist da in erster Linie wohl Stuart O´Grady, der nach seinem grandiosen Roubaix-Sieg 2007 im letzten Jahr ein Totalausfall war. Bei seinem neuen Team Fuji-Servetto hat er sich sicher einiges auszurechnen, gerade weil das Team mit Pflasterspezialisten wie Sylvain Chavanel oder auch dem von seiner Dopingsperre zurückgekehrten Björn Leukemanns eine ganze Reihe an aussichtsreichen Fahrern hat. Dieses Team sollte man auf alle Fälle beachten.
Doch neben Marcus Burghardt gibt es in diesem Jahr auch einen weiteren Deutschen, auf denen die Hoffnungen von Schwarz-Rot-Gold ruhen: Heinrich Haussler. Er zeigte sich in diesem Jahr auf Pavé stark verbessert und gilt als Außenseitertipp vieler Experten. Sein Nachteil: Kein konkurrenzfähiges Team. Sein Vorteil: Ebenso wie Boonen ist er bei einem Sprint aus einer kleineren Gruppe ganz klar zu den Stärksten zu zählen. Vielleicht kann er ja sogar für die ganz große Überraschung sorgen und als erster Deutscher nach Steffen Wesemann 2004 wieder die Flandern-Rundfahrt gewinnen.
Ein schlagkräftiges Team ohne absoluten Spitzenmann schickt Astana ins Rennen. Ehemals nur durch die großen Rundfahrer im Fokus will man bei Astana mit einem starken Trio in diesem Jahr auch auf Pavé etwas erreichen. So stehen mit Simon Spilak und Niki Terpstra zwei junge Fahrer bereit, die sich gerade bei der Ronde bisher gut in Szene setzen konnten. Hinzu kommt mit Gert Steegmanns ein frischer Neuzugang, von dem man sich viel erwartet, wobei diese Erwartungen wohl eher auf Gent-Wevelgem bezogen sein dürften. Trotzdem sollte man Astana auf jeden Fall auf der Rechnung haben.
Das einzige deutsche Team im großen Radsportzirkus geht immerhin mit Außenseiterchancen ins Rennen. So hat man wohl eine italienische Doppelspitze bestehend aus dem Mailand-San Remo Sieger Enrico Gasparotto und dem Dritten der Ronde 2007, Luca Paolini. Dazu kommt mit Eichler ein junger einheimischer Fahrer, sodass man Milram so wie Astana zwar nicht als Topmannschaft ansehen sollte, aber auf der Rechnung haben muss, weil sehr starke Einzelkönner im Team sind.
Stark abgebaut in Sachen Pavé zugunsten der Rundfahrt-Abteilung hat das Team Quickstep. Gewann man 2008 noch zwei der drei großen Klassiker und konnte es sich sogar leisten, einen Tom Boonenin Flandern zu Hause zu lassen, so hat man in diesem Jahr vergleichsweise geringe Ambitionen. Zwar steht mit Martijn Maaskant eines der größten Pflaster-Talente der Gegenwart im Team, doch ob es für ihn schon zum ganz großen Coup reicht, darf man bezweifeln. Mit Franzoi hat er einen Ex-Crosser im Team, der ihm wahrscheinlich Hilfe leisten kann.
Einziger, wohl richtig ambitionierter, Wildcard-Starter ist Topsport Vlaanderen. Traditonell hat man dort eine starke Kopfsteinpflaster-Abteilung, die vor allem durch große Talente wie Kenny de Haes oder Coen Vermeltfort geprägt wird, auch wenn die Ronde für beide noch zu schwer und vor allem zu lang sein dürfte. Neben Topsport sollte man vielleicht noch Vacansoleil erwähnen. Das Team hat zwar keinen großen Star, könnte aber offensiv das Rennen gestalten und dadurch vielleicht am Ende vorne reinrutschen.


[size=150]U24-Weltrangliste




Eine weitere Neuerung gab es in diesem Jahr von Seiten der UCI: Die U24-Weltrangliste. Von vielen Teams gefordert gibt es also eine Nachwuchsserie, in der die Jugend ganz unter sich bleibt und auch schon in geringem Alter Erfolge feiern kann. Nach dem Nachwuchscup der Nationalmannschaften und davor der ersten Ausgabe der Jugend-Weltrangliste ist dies also der dritte Anlauf der UCI, endlich eine wettbewerbsfähige Jugendserie an den Start zu bringen.
Das Konzept klingt vernünftig: Fahrer der Jahrgangs 1985 oder jünger treten bei den jugendgerechten Ausgaben der großen Rennen gegeneinander an. Eine Weltrangliste soll dann am Ende den vielseitigsten Fahrer als besten U24-Starter der Saison küren. Denn der Rennkalender der U24-Fahrer ist ebenso vielseitig wie der der Profis: Rundfahrten, flache Rennen, ja sogar Pavé-Klassiker sind im Kalender. Insgesamt umfasst der Zeitplan 12 Rennen inklusive der U23-Weltmeisterschaften im Zeitfahren und auf der Straße, die in diesem Jahr in der Schweiz ausgetragen werden.
Insgesamt gibt es 40 Renntage, also recht viele, sodass sich keiner der Fahrer alleine auf diese U24-Weltrangliste konzentrieren kann ohne den Profizirkus zu vernachlässigen. Auch das war ein Ziel der Macher: Herausfinden, wer den Spagat zwischen großen Rennen und Jugendrennen am besten schafft. Auch damit nicht ausschließlich die großen Namen wie Mark Cavendish etc. die Serie bestimmen. Sie wären zwar startberechtigt, haben aber größeres als diese Rangliste im Sinn. Genau das ist auch Sinn der Sache, denn die UCI will wirkliche Talente, die bei den ganz großen Rennen noch keine Chance haben, hier die Möglichkeit geben, Erfolge zu feiern. Zudem will man mit dieser Rennserie den kleineren Continental-Teams noch mehr Möglichkeiten auf Erfolge geben und ihnen ermöglichen, ihre Talente früh auszusieben, und vielleicht einen ganz Großen hervorzubringen, oder hier Werbung für ihre Talente zu machen um im Gegenzug dafür vielleicht schon fertige Fahrer von den ProTour Teams zu bekommen.
Hier ist einmal der Rennkalender in der Übersicht:

Zitat
28.03-30.03 Grand Prix du Portugal (Por) U24
11.04 Tour des Flandres Espoirs (Bel) U24
26.04-01.05 Giro delle Regioni (Ita) U24
14.05 Liège - Bastogne - Liège Espoirs (Bel) U24
31.05 Paris-Roubaix Espoirs (Fra) U24
22.06-01.07 Giro Ciclistico d'Italia (Ita) U24
26.08-30.08 Grand Prix Tell (Sui) U24
05.09-13.09 Tour de l'Avenir (Fra) U24
23.09 WM-Einzelzeitfahren Männer U23 (Sui)
26.09 WM-Straßenrennen Männer U23 (Sui)
03.10 Piccolo Giro di Lombardia (Ita) U24
12.10 Paris-Tours Espoirs (Fra) U24



Auftakt bildet, wie zu sehen ist, der Grand Prix du Portugal, wo mit 10 Teams am Start eine zufriedenstellendes Teilnehmerfeld erzielt werden konnte. Die dreitägige Rundfahrt durch das kleinere der iberischen Länder wird vor allem den starken Bergfahrern entgegenkommen, da die Etappen 2 und 3 nach einer Flachetappe zum Auftakt der Rundfahrt die Entscheidung über die Gesamtwertung fallen lassen.
Die prominentesten Fahrer, die am Start stehen sind unter anderem Francesco Ginanni, der auch bei den Großen schon sehr erfolgreich fuhr und vor allem Gerald Ciolek. Der Start des jungen Deutschen hier ist schon eine enorme Überraschung, sollte man doch eigentlich meinen, dass ein Fahrer seines Formats größere Ziele als den Grand Prix du Portugal hätte. Ansonsten trifft man viele Fahrer an, die im letzten Jahr bei Jugendrennen weit vorne waren. So zum Beispiel Ben Swift, Simon Clarke, Coen Vermeltfort, Dominik Klemme, Peter Stetina, Tejay van Garderen, Rui Costa, Alexander Kristoff oder auch der Schweizer Laurent Beuret.
Eine weitere Ausnahme bildet neben Ginanni wohl der Weißrusse Branislav Samoilau, der wie Ginanni schon im Profizirkus sehr erfolgreich war. Ansonsten ist höchstens noch Francesco Masciarelli mit guten Resultaten bei den Profis am Start.

Wer also der erste Führende der neuen U24-Weltrangliste sein wird, und wer sich vielleicht für größere Teams empfehlen kann. Bald werden wir es wissen.

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#2

RE: Radsportnews International

in Presse 16.04.2009 01:55
von Kai | 999 Beiträge

Die Ardennen-Trilogie




15.04. Nach der ersten prägenden Radsportwoche des Jahres mit den Pavé-Klassikern steht nun die zweite Woche der großen Radklassiker an. Es geht in die Ardennen. Und eben dort erwarten die Fahrer drei sehr schwere Rennen, die zum einen aufgrund ihrer enormen Länge und zum anderen aufgrund des schwierigen Profils zu den härtesten Prüfungen im Leben eines Radprofis gehören. Diese drei Rennen sind natürlich das Amstel Gold Race, der Fleche Wallonne und das einzige Radsport-Monument dieser Woche, Lüttich-Bastogne-Lüttich. Alle drei Rennen haben mehrere Dinge gemeinsam: Sie zeichnen sich durch viele, kleine, giftige Anstiege aus, sie fesseln die Radsportwelt und der Sieger trägt sich in die Geschichtsbücher des Radsports ein. Wer das in diesem Jahr sein wird, oder zumindest, wer die besten Chancen hat. Hier lesen Sie es in unserem großen Favoritencheck.

Davide Rebellin




Seit Jahren der konstanteste und einer der absolut besten Klassikerfahrer der Welt. Davide Rebellin gehört zu den Fahrern, die vor allem durch diese Ardennenwoche berühmt geworden sind. Sein Meisterstück machte Rebellin im Jahre 2004, als er als Erster und bis jetzt auch einziger Radprofi alle drei Ardennenklassiker in einer Saison gewann. Das gelang sonst keinem, und ob es überhaupt noch mal jemand schaffen wird, steht in den Sternen. In diesem Jahr wohl nicht, denn das Feld ist in der Spitze ziemlich eng beisammen.
Rebellin indes versucht sich heuer bei einem neuen Team. Team Milram ist seine neue Heimat, ihm scheint es bei deutschen Rennställen wirklich zu gefallen. Und nachdem er bei Gerolsteiner mit Wegmann und Schumacher am Ende die günstige Lage mit wie exzellenten Helfern hatte, steht er auch in diesem Jahr nicht alleine da, wenn auch mit nicht so großer Unterstützung wie bei Gerolsteiner. Mit Francesco Ginanni hat er eine der Entdeckungen des vergangenen Jahres im Team, vielleicht sogar jemand, der selber für eine Überraschung sorgen kann. Hinzu kommen mit zum Beispiel Enrico Gasparotto, dem Sieger von Mailand-San Remo oder auch Luca Paolini weitere Landsleute Rebellins, die ihm sicher eine große Hilfe sein können.
Bis dato läuft recht ordentlich, so gewann er die Trofeo Calvia, fuhr bei zwei weiteren Rennen auf Mallorca in die Top 5 und wurde bei Tirreno-Adriatico sogar Dritter in der Gesamtwertung. Mit ihm ist auf jeden Fall zu rechnen.

Unsere Einschätzung:


Alejandro Valverde




Der nächste klangvolle Name in der Liste er Top-Favoriten für die Ardennen ist Valverde. Alejandro Valverde wohlgemerkt, denn, was viele wohl nicht wissen, Valverde hat einen Namensvetter namens José Valverde, der seines Zeichens eines der Zugpferde des Radsports in Peru ist. Da ist der Spanier aber auf deutlich höherem Niveau unterwegs.
2008 erreichte er in den Ardennen mit Rang zwei bei Lüttich-Bastogne-Lüttich zwar nur einen Podestplatz, dennoch gehört er sicher zu den größten Siegesanwärtern. Ein Grund dafür ist mit Sicherheit seine enorme Endschnelligkeit, die ihm im Kampf um große Siege sicher ein großer Vorteil werden kann, fährt Valverde doch sogar manchmal bei Flachetappen im Sprint vorne rein.
Sein Team ist mit Franco Pelizotti, Alexandre Botcharov und Co. zwar nicht besonders auf die Ardennen ausgerichtet, aber dennoch hat er Unterstützung, auch wenn „Pitis“ Edeldomestik Joaquin Rodriguez die Fronten gewechselt hat, dazu später mehr. Die bisherige Saison Valverdes lief für seine Verhältnisse unspektakulär, zu den Höhepunkten zählten der Sieg beim Gran Premio Miguel Indurain, sowie der Gewinn des Punktetrikots beim Criterium International und der siebte Gesamtrang bei der Baskenland-Rundfahrt. Nicht besonders beeindruckend, aber Radfahren verlernt man halt nicht.

Unsere Einschätzung:


Frank Schleck




Wenn schon kein Belgier oder Holländer zum Favoritenkreis in den Ardennen gehört, dann doch wenigstens ein Luxemburger. Frank Schleck ist seines Zeichens unter anderem Titelverteidiger bei Lüttich-Bastogne-Lüttich und will mindestens einen Klassikersieg erringen.
Das mag einen kaum wundern, denn Schleck gehört in den letzten Jahren immer zu den Top-Favoriten bei den Ardennen-Rennen. Das hat mit mehreren sehr guten Resultaten auch seine Gründe. Sein Team ist recht gut aufgestellt, besonders wichtig könnte der vorhin angesprochene Rodriguez Oliver sein. Der ehemalige Edelhelfer, der Valverde bei Caisse d´Epargne von Erfolg zu Erfolg pilotierte, soll dies nun für Schleck tun und eventuell sogar selber große Erfolge einfahren. Das wird ihm zugetraut beim neuen Team der beiden, Bouygues Telecom. Der Rest des Teams ist nicht überragend besetzt, doch immerhin hat man mit Leuten wie Jens Voigt, Nick Nuyens oder Bert de Waele gute, erfahrene Leute für Schleck. Bitter ist da der verletzungsbedingte Ausfall von Juan-Antonio Flecha, der nach dem zweiten Platz bei der Flandern-Rundfahrt in Topform war.
Die bisherige Saison Schlecks lief im Übrigen sehr gut. Den Sieg bei Paris-Nizza hatten ihm aufgrund des Prologs nur wenige zugetraut, doch er ließ seinen Worten taten folgen. Danach legte er eine Pause ein, bevor er seine gute Form dann mit Rang zwei bei Paris-Camembert zeigte und darlegte, dass man ihn auf der Rechnung haben muss.

Unsere Einschätzung:


Damiano Cunego




Er gehört zwar nicht zum absoluten Favoritentrio, so wie es von unserer Redaktion mit Schleck, Valverde und Rebellin gebildet wurde, und dennoch ist Damiano Cunego einer der Favoriten bei jedem der Ardennen-Klassiker, wobei man ihm bei Lüttich-Bastogne-Lüttich wohl am meisten zutrauen dürfte.
Auch er zehrt wie Valverde bei solchen Klassikern wie der Lombardei-Rundfahrt, die vom Profil in etwa mit den Ardennen zu vergleichen ist und die er bereits dreimal gewann, von seiner relativ guten Endschnelligkeit, was auch in dieser wichtigen Woche eine spezielle Waffe des Italieners sein könnte. Sein Team ist in der Breite sicherlich sehr gut besetzt, so hat man mit Maxime Monfort, Rigoberto Uran, Andy Schleck und Co. noch weitere tolle Fahrer in der Hinterhand, auch wenn der absolute Zweitkapitän wohl fehlt, auch wenn Monfort im letzten Jahr das Gold Race gewinnen konnte. Er wird nicht wieder wie im letzten Jahr mit Wegmann die Top-Favoriten überrumpeln können. Da ist einem Andy Schleck sicherlich mehr zuzutrauen, auch wenn der seinen Fokus 2009 vielleicht sogar zum ersten Mal auf zwei Grand Tours in einem Jahr gelegt haben dürfte.
In diesem Jahr fuhr Cunego stark, aber nicht überragend. So stehen für ihn ein fünfter Gesamtrang bei der zeitfahrlastigen Kalifornien-Rundfahrt in den Palmarés. Dazu kommt ein starker zweiter Gesamtrang bei Paris-Nizza, wo er auch eine Etappe gewinnen konnte. Damals wurde er jedoch von Frank Schleck geschlagen, der nun auch zu seinen Konkurrenten gehört. Ein Zeichen?

Unsere Einschätzung:



Danilo di Luca




Nur einmal Top Ten in den Ardennen im vergangenen Jahr. Das ist die ernüchternde Bilanz von Danilo di Luca, die er in diesem Jahr sicher ausmerzen will. Zu seinem Schutz sollte man jedoch sagen, dass er 2008 eher bei Rundfahrten glänzte mit Rang 2 beim Giro und dem Sieg bei der Österreich-Rundfahrt. Dennoch will er in diesem Jahr wieder in den Ardennen ganz vorne reinfahren wie in seinem Gala-Jahr 2007, als er alle drei Ardennen-Klassiker auf dem Podium beendete. Dazu wechselte er das Team und steht im Gegensatz zu den 08er Ardennen nun bei Ag2r la Mondiale unter Vertrag, wo er ein durchaus starkes Team hat. Da wären neben Wegmann auch noch der ehemalige Ardennen-Kapitän von Ag2r, Karsten Kroon, sowie der U23-Weltmeister Clement Lhotellerie und vielleicht auch der Russe Alexander Efimkin.
In diesem Jahr fährt er eher unspektakulär. Ein dritter Rang bei den italienischen Straßenmeisterschaften und vor kurzer Zeit jetzt ein vierter Rang bei Paris-Camembert zeigen aber, dass er das Radfahren nicht verlernt hat. Wie auch bei seinem Potenzial?

Unsere Einschätzung:


Kim Kirchen




Letztes Jahr mit Rang 9 beim Fleche Wallonne und Rang 10 beim Amstel Gold Race hatte er sehr dürfte Ergebnisse in Ardennen, das will er wie di Luca in diesem Jahr ändern, und zeigen, dass er es auch in den Ardennen noch sehr wohl kann und ein ernstzunehmender Siegkandidat ist.
Dazu machen ihn zum einen seine guten Resultate aus der Vergangenheit und zum anderen die Tatsache, dass er Kapitän des Columbia-Teams ist, dass im Moment ausgezeichnet dasteht. Das liegt nicht zuletzt an Manager freire, der bei dem Flandernrundfahrt-Sieg von Tom Boonen gezeigt, dass er weiß, wie man große Erfolge einfährt. Dass dies mit Kirchen in den Ardennen jedoch ungleich schwerer wird, dürfte allen bewusst sein.
Sein Team ist bis auf eine Ausnahme recht dünn aufgestellt und haben neben dieser Ausnahme Giovanni Visconti, der selber durchaus zum Podiumsfahrer avancieren könnte mit Lövkvist, Gerdemann und Co. eher Berg- als Klassikerfahrer zur Begleitung von Kirchen im Team.
Sein Jahr läuft bisher recht gut, so konnte er immerhin vor einigen Tagen das Podium der Baskenland-Rundfahrt besteigen.

Unsere Einschätzung:

Samuel Sanchez Gonzalez




Schade, dass es keine Abfahrt ins Ziel gibt. Zumindest für ihn, denn Samuel Sanchez Gonzalez gilt als wohl bester Abfahrer der Gegenwart. Ob ihm das in den Ardennen aber viel nützen wird, sei dahingestellt.
Er ist auch kein typischer Fahrer für die Ardennen, gewann er bis 2008 einmal den Fleche Wallonne und tat sich sonst sogar mit Top Ten Resultaten in den Ardennen schwer. Letztes Jahr ließ er mit einem dritten Rang bei diesem Fleche Wallonne jedoch aufhorchen nachdem er drei Tage zuvor schon immerhin Neunter beim Amstel Gold Race geworden war.
In diesem Jahr sollen die Ardennen laut Team eines seiner Ziele sein. Sein neues Team, Silence-Lotto ist allerdings wohl an der Spitze nicht so gut aufgestellt wie die Konkurrenz, Sanchez ist klarer Kapitän, auf dem alle Hoffnungen ruhen. Dazu kommen noch fähige Fahrer wie Antonio Colom, der seine Stärken jedoch woanders hat, oder auch Peter Velits, bei dem abzuwarten ist, ob er noch einmal jemand wird, der ganz vorne reinfahren kann bei Top-Konkurrenz.
Insgesamt muss man Sanchez auf den Zettel haben, auch wenn er nicht zu den Spezialisten in den Ardennen á la Rebellin gehört.

Unsere Einschätzung:


Und wen muss man sonst noch beachten?




Es scheint bei den Ardennen zwar auf einen recht kleinen Kreis der möglichen Sieger hinauszulaufen, doch Überraschungen sind immer denkbar. Denn es gibt neben den genannten Fahrern wahrlich noch einige, die dich etwas vorgenommen haben, seien es die ProTour Teams oder die Wildcard-Starter.
Einer dieser Fahrer, die man sicherlich nennen sollte, ist der Belgier Philippe Gilbert von Francaise des Jeux, der bei den Ardennen-Klassikern noch immer auf seinen großen Durchbruch wartet. Er konnte zwar in näherer Vergangenheit endlich bei den ganz großen Rennen Top-Resultate liefern, doch ob es auch in den Ardennen reicht? Mit Nibali hat er sicher einen sehr starken Teamkollegen, dem selber auch etwas zuzutrauen ist, sollte er in guter Form sein.
Auch Rabobank sollte man in den Ardennen nie vergessen. Sie haben immerhin Cadel Evans oder auch Thomas Dekker, der bei der Baskenland-Rundfahrt mit dem Gesamtsieg seine tolle Form zeigte, in ihren Reihen. Der Niederländer dürfte hier wohl erste Option sein, hat man von Evans bisher noch nicht sehr viel gesehen, die Form beim Niederländer allerdings passt ganz vortrefflich um eine Überraschung zu schaffen.
Auch ein anderer Niederländer kann sich vielleicht Hoffnungen machen sogar beim heimischen Amstel Gold Race vorne hineinzufahren. Robert Gesink von Astana, der sein großes Talent bereits desöfteren bewiesen hat und sich bei den Klassikern austoben kann, während er bei den Rundfahrten im Team nur zweite Wahl hinter Contador ist.
Auch Quickstep sollte man nach einer enttäuschenden Pavé-Saison auf dem Zettel haben. Sie dürften mit Wut im Bauch antreten und haben mit dem Ex-Doper Michele Scarponi ein Fragezeichen am Start, das in der Form früherer Tage fast niemanden zu fürchten braucht. Dazu kommt der immer besser werdende Franzose Vaugrenard.
Bei Fuji-Servetto, das bis hierhin eine quasi grandiose Saison absolviert, die im Roubaix-Sieg von O´Grady gipfelte, setzt man wohl auf Thomas Voeckler, der vom Teamchef überraschend ebenso wie Martin Velits als absolut unverkäuflich betitelt wurde. Ob dies zurecht geschehen ist, kann Voeckler nun unter Beweis stellen. Mit Sylvain Chavanel, Björn Leukemanns oder auch Xabier Florencio hat er ein breites Team im Rücken.
Auch Liquigas gehört nach eine Blitz-Verpflichtung zum erlauchten Kreis der Teams mit Ambitionen. So hat man nicht mal eine Woche vor dem Amstel Gold Race Alexandr Kolobnev unter Vertrag nehmen können, der dafür bekannt ist 2-4 grandiose Rennen pro Jahr zu zeigen. Ist in den Ardennen eines dieser Rennen, darf die Konkurrenz sich warm anziehen, auch wenn man sehen muss, ob der Russe sich in der kurzen Zeit überhaupt ideal integrieren konnte.
Die Wildcard-Teams sind in diesem Jahr übrigens ehemalige No-Names wie Landbouwkrediet, Serramenti PVC Diquigiovanni, Skil-Shimano oder BMC Racing. Diese Teams sind aber durchaus in der Lage, die Rennen wenigstens mitzuprägen oder sogar mit zu entscheiden. So hat man bei BMC mit Mazzanti und Vicioso gleich zwei starke Hügelfahrer im Team während man bei Serramenti auf den jungen Russen Trofimov setzt, der als Außenseiter durchaus in die Top Ten fahren könnte. Aber auch die anderen Teams haben mit Veikkanen und Vanendert (Topsport), Aerts (Landbouwkrediet), Mori (Skil) und Khalilov (Vacansoleil) sicherlich Fahrer, für die mindestens die Top 20 in Reichweite sind.

Das war also der Favoritencheck und es haben sich mehrer Dinge gezeigt: Es gibt ein Trio der absoluten Top-Favoriten (Schleck, Valverde, Rebellin) und dazu wenige andere Sieganwärter wie di Luca oder Cunego. Doch die Rennen müssen noch gefahren werden und sind hart wie eh und je, jedes Team kann vorne mitreden. Denn wie Wahrheit ist immer noch auf´m Platz oder in diesem Fall auf der Straße.

Davide Rebellin
Alejandro Valverde, Frank Schleck
Damiano Cunego, Danilo di Luca, Kim Kirchen
Samuel Sanchez Gonzalez, Thomas Dekker, Philippe Gilbert, Joaquin Rodriguez Oliver
Giovanni Visconti, Andy Schleck, Robert Gesink, Youri Trofimov, Thomas Voeckler

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RE: Radsportnews International

in Presse 02.08.2009 18:00
von Kai | 999 Beiträge

Le Tour de France - das große Fazit[/size]

Die diesjährige Tour de France hatte wie jede andere natürlich Gewinner und Verlierer, positive wie negative Überraschungen und einige Fahrer, die der „Grand Boucle“ besonders ihren Stempel aufdrücken konnten. Wer bzw. was die Zuschauer am meisten bewegte, überraschte, begeisterte und enttäuschte, hier können Sie es nachlesen! Neben den großen Helden oder den Neuankömmlingen muss aber auch das Thema Doping zur Sprache gebracht werden.

Die Tops und Flops der Tour de France

Gesamtklassement
Tops:



Lance Armstrong


Was für ein Comeback des ehemaligen "Tourminators"! Mit 37 Jahren trat er an, um es noch mal allen zu beweisen und fuhr eine bravouröse Tour de France. Es reichte zwar nicht zu seinem achten Gesamtsieg der Tour de France, doch der zweite Rang in der Gesamtwertung, nur hinterm dem momentan scheinbar übermächtigen Alberto Contador, ist nach drei komplett rennfreien Jahren für den Texaner sicher aller Ehren wert. Vor allem, wenn man bedenkt, dass er den drittplatzierten Andy Schleck fast drei Minuten voraus ist.
Er gehört noch immer zu den ganz Großen und wird immer zu ihnen gehören. Wer weiß, ob im Jahre 2010 vielleicht noch mehr herausspringt, für Lance Armstrong?



Samuel Sanchez Gonzalez


Der vierte Platz in der Gesamtwertung für Samuel Sanchez Gonzalez war wohl eine der größeren Überraschungen bei der Tour de France. Bei dem starken Starterfeld war im maximal ein Top Ten Platz zugetraut worden, doch Sanchez Gonzalez, und vor allem sein Manager durch einen exzellenten taktischen Schachzug belehrten die Experten eines besseren.
Die Schlüsseletappe für diese äußerst achtbare Platzierung war sicherlich die achte, als Samuel Sanchez Gonzalez in der 21-köpfigen Ausreissergruppe war und neben dem Etappensieg auch noch das Maillot Jaune erkämpfte. 8:44 Minuten vor den großen Favoriten dieser Rundfahrt fuhr Sanchez Gonzalez über den Zielstrich und legte so den Grundstein für diesen Riesenerfolg. Über die Teams, die ihn erst in die Gruppe ließen und dann nicht konsequent gegen die Gruppe arbeiteten, darf indes gestaunt werden, hatte man sich im Peloton nach dem Pereiro-Coup doch vorgenommen, das so etwas zum letzten Mal passiert sei.



Bradley Wiggins


Auch für Bradley Wiggins war diese Tour de France eine ganz besondere. Erstmals konnte er in den Bergen bei den besten mithalten und sogar eine Pyrenäenetappe gewinnen, und das als ehemaliger Bahn-Olympiasieger. Eine fast unfassbar scheinende Entwicklung, die man sicher aber wohl zumindest teilweise mit dem großen Gewichtsverlust und dem intensivierten Berg-Training im Winter erklären kann. Und wäre da nicht dieser Einbruch gewesen, auf Etappe sieben, wer weiß, wo Bradley Wiggins dann gelandet wäre. Verloren hat er auf dieser Etappe fast sieben Minuten, wenn man die abzieht, wäre er Gesamtdritter. Dann wäre aber sein Ausreissersieg auf Etappe 20, auf dem legendären Mont Ventoux nicht möglich gewesen, sodass seine Endplatzierung ohne den Einbruch rein spekulativen Wert hätte.
Interessant wird es sicher auch nächstes Jahr sein, ob Bradley Wiggins sich weiter verbessern, dann sogar um das Tour-Podium mitfahren kann, oder ob er sich wieder verstärkt dem Bahn- und Zeitfahren widmet.

Flops:



Carlos Sastre


Carlos Sastre, eigentlich die Kontinuität in Person, was die Top 5 bei seinen Grand Tours angeht, landete diesmal nur auf Rang 37 in der Endabrechnung, obwohl man ihn im Vorfeld zu den ganz großen Favoriten zählen musste. Erklärungsversuche? Sicher wurde der Manager seines Teams während der Rundfahrt ausgetauscht, das hat Unruhe ins Team gebracht. Doch auch vor dieser spektakulären Personalie fuhr Sastre seinen Vorjahresleistungen hinterher. Und das, obwohl sein Team erneut stark aufgestellt war. Man darf bezweifeln, dass er einfach von heute auf morgen das Radfahren verlernt hat, dieser Carlos Sastre. Vielleicht stimmten da Dinge in der Vorbereitung nicht, vielleicht gab es private Querelen, aber vielleicht hat er seinen Zenit auch einfach überschritten. Die nächste Möglichkeit, zu zeigen, dass dies nicht zutrifft, hat Sastre wahrscheinlich bereits bei der Vuelta in diesem Jahr, spätestens bei der Tour de France im nächsten Jahr. Dann werden wir endgültig wissen, ob so langsam eine große Karriere ziemlich sang- und klanglos zu Ende geht, oder ob diese Tour de France 2008 nur unter der Rubrik "Ausrutscher" zu verbuchen ist.



Cadel Evans


Meilenweit entfernt von der Titelverteidigung war in diesem Jahr Cadel Evans. Der Australier, der im vergangenen Jahre endlich, nach so vielen Anläufen, die Grand Boucle gewinnen konnte, enttäuschte in diesem Jahr auf ganzer Linie und wurde schlussendlich nur Zehnter in der Gesamtwertung. Und das, obwohl diese Tour de France so großartig begann für Cadel Evans. Gleich auf der ersten ernstzunehmenden Bergetappe nahm er nicht nur den Schleck-Brüdern und Armstrong, sondern auch dem Topfavoriten Alberto Contador Zeit ab. Als Contadors unanfechtbare Favoritenstellung gerade zu bröckeln begann, bröckelte ebenso die Leistung von Evans und Contador konnte so, sehr souverän, den Toursieg eintüten. Fast unerklärlich waren jedoch diese Leistungsdiskrepanzen von dem Rabobank-Kapitän Evans bei dieser Tour de France. Die Etappen 15, 17, 18, 20 - sie alle liefen nicht rund, sodass Evans, der auf diesen Etappen jeweils nicht unter die besten Zehn fuhr, am Ende mit Gesamtrang zehn fast noch glücklich sein konnte.
Wie bei seinem Kollegen Carlos Sastre bleibt abzuwarten, ob Evans´ Stern langsam untergeht, oder diese Tour nur ein Ausrutscher war.


Sprinter
Tops:



Mark Cavendish


Zwar nicht ganz so eindrücklich wie erwartet, aber immerhin überhaupt, unterstrich der, immer noch junge, Brite seine Ausnahmestellung unter den Sprintern.
Neben den drei Etappensiegen, den letzten krönenden feierte auf dem Champs Elysées, eroberte und gewann Mark Cavendish in diesem Jahr erstmals das Maillot Vert, das Trikot des besten Sprinters. Auch wenn zwischendurch Daniele Bennati ernsthafte Schwierigkeiten machte, so gewann Cavendish letztendlich recht eindeutig das Grüne Trikot und hat somit unter Beweis gestellt, dass er sich auch am Berg stark verbessert hat und nun jede Grand Tour beenden kann. Der einzige Wehrmutstropfen für Cavendish sind vielleicht die doch recht häufigen Niederlagen und der schwache Start in diese Tour de France. Denn erst auf Etappe 11 platzte der Knoten und Sieg Nummer 1 sprang heraus, nachdem Tags zuvor nur Platz zwei zu Buche stand. Dass Cavendish die Sprints nicht vollends dominierte, dürfte vor allem an seiner recht dürftigen Unterstützung im Etappenfinale liegen, wo er gegenüber, zum Beispiel McEwen und Bennati, einen klaren Nachteil hatte.



Daniele Bennati


Zwar konnte er nicht, wie noch beim Giro d´Italia 2008, Mark Cavendish das Wasser reichen, doch mit zwei Etappensiegen machte er den Kampf ums Maillot Vert lange spannend, dieser Daniele Bennati.
Bei BBox Bouygues Telecom mit einem sehr starken Sprintzug ausgestattet, gelang es Bennati, wie angesprochen, gleich zweimal Mark Cavendish hinter sich zu lassen und so zwischenzeitlich sogar das Grüne Trikot überzustreifen. Und er wollte es beharrlich nicht abgeben und kämpfte bis zum Schluss um jeden Punkt. So fand er sich sogar auf einer schweren Alpenetappe in der Ausreissergruppe wieder um sechs Punkte auf Cavendish aufzuholen und versuchte auch bei den übrigen Zwischen- sowie Massensprints seine Chance auf sein erstes Punktetrikot bei einer Grand Tour zu wahren. Letztlich jedoch, wie bekannt ist, vergeblich. Nichtsdestotrotz kann Bennati mit dieser Tour sicher gut leben.



Heinrich Haussler


Zwar nicht ansatzweise so erfolgreich, doch mit einem sehr überraschenden Sieg in einem Sprint Royale überzeugte Heinrich Haussler in diesem Jahr. Tag drei war der Tag des Heinrich Haussler, als er die gesamte anwesende Weltelite düpierte und den großen Mark Cavendish im Sprint hinter sich ließ. Und das, wo Haussler vor einem Jahr von so einem Erfolg nicht mal im Ansatz zu träumen gewagt hätte. Seine Entwicklung im Jahr 2009 ist wirklich atemberaubend, dieser Etappensieg bei der Tour de France war bis dato das Highlight einer großartigen Saison des jungen Deutschen und bestimmt nicht die letzte großartige Platzierung für ihn.

Flops:



Oscar Freire


In diesem Jahr war Oscar Freire bei den Massensprints fast ein Schatten seiner selbst. Die beste Platzierung war ein vierter Rang, dazu kommen noch zwei fünfte Plätze, doch von der ehemaligen Explosivität war nicht mehr viel zu sehen beim dreimaligen Weltmeister. Natürlich mag das auch an der jungen Sprintergarde á la Cavendish und Haussler liegen, doch etwas mehr hätte man von Freire, der wie Bennati einen sehr guten Sprintzug zur Seite hatte, wahrhaftig erwarten dürfen. Wie das gesamte Team Rabobank fuhr er also eine sehr enttäuschende Tour de France, deren Eindruck er wahrscheinlich bereits bei der Vuelta, spätestens aber bei der Straßenrad-WM in Mendrisio, wo er Titel Nummer 4 anstrebt, vergessen machen will.



Gerald Ciolek


Er konnte seine Sensationstour von 2008 wahrlich nicht bestätigen. Dennoch darf man ihn nach dieser schwächeren, wenn auch mit einem Podestplatz natürlich nicht blamablen Tour de France sicher nicht abschreiben, denn Gerald Ciolek ist gerade mal 22 Jahre alt. Dennoch hätte man nach der letztjährigen Tour de France, wo Gerald Ciolek sensationell gleich zwei Etappen gewinnen konnte, vielleicht auf etwas mehr als einen dritten Etappenrang hoffen dürfen. Natürlich war sein neues Team Caisse d´Erpargne mit Klöden und vor allem Armstrong im Team mehr auf die Gesamtwertung als auf die Sprints ausgelegt, was jedoch nicht unbedingt als Ausrede gilt. Ein gewisser Cavendish hat vorgemacht, wie es auch fast ohne Sprinthelfer klappen kann.

Überraschungen
Positiv:



Rock Racing


Äußerst stark präsentierte sich bei der Tour de France 2008 ein Team, das man schon aufgrund ihrer Trikotgestaltung vielleicht nicht ganz ernst nehmen kann, auch wenn man es sollte, wie sie bei dieser Tour de France gezeigt haben. Als erfolgreichstes Wild Card Team noch vor dem Hauptkonkurrenten auch in der Continental-Tour, BMC Racing, überzeugte der US-amerikanische Rennstall unter der Leitung von daN mit einem Etappensieg und Gesamtrang neun ungemein und dankte dem Veranstalter so das Vertrauen.
Der neunte Platz von Teamkapitän Michael Rogers war indes keine Sensation, doch ein Continental-Team unter den Top Ten muss gewürdigt werden, gerade wenn dazu noch der grandiose Etappenerfolg des nominellen Sprinters Assan Bazayew aus einer Ausreissergruppe kommt. Es wird sicher schwer, für die UCI, nächstes Jahr bei der Wild Card Vergabe für die Tour de France an Rock Racing vorbeizukommen, bei diesen Leistungen.



Die französischen Fahrer


Natürlich wird es Jahr für Jahr schwerer für die heimischen Profis bei "ihrer" Rundfahrt, der Tour de France auf sich aufmerksam zu machen. Im Jahr 2009 gelang dies jedoch exzellent. So konnten die Franzosen mit Pierrick Fedrigo (Etappe 8), Sylvain Chavanel (Etappe 13) und Prerre Rolland (Etappe 9) gleich drei Etappensieger feiern. Eine sicherlich höchst eindrucksvolle Marke bei der hochklassigen Besetzung, auch in diesem Jahr. Zu diesen tollen Etappensiegen kamen für die Franzosen natürlich auch noch der respektable 15. Gesamtrang von Sandy Casar sowie die, auch in diesem Jahr, wieder starke Leistung von Christophe Moreau, der das Bergtrikot nach eindrucksvoller Vorausfahrt eroberte und sich in der Gesamtbergwertung am Ende lediglich Juan José Cobo Acebo sowie dem großen Alberto Contador geschlagen geben musste.
Chapeau France!

Negativ:



[size=85]Mikel Astarloza


Natürlich, wie sollte es auch anders sein, gab es erneut einen Dopingfall bei der Tour de France. Diesmal traf es den Spanier Mikel Astarloza. Die Tatsache, dass erneut ein Profi positiv getestet wurde, Astarloza im Übrigen auf EPO, ist sicherlich keine große Überraschung Die Tatsache, dass es Astarloza und nicht Fahrer, die bereits mehrmals im Visier der Fahnder waren, wie zum Beispiel Alessandro Petacchi, vielleicht schon eher. Besonders ärgerlich für die Veranstalter und das Publikm ist es zusätzlich natürlich, dass Astarloza auf Etappe 16 noch überraschen der Stärkste war. Wer bei dieser Leistung bereits ins Zweifeln geriet, sollte recht behalten. Wie es um diesen Etappensieg von Mikel Astarloza jetzt aussieht, ist noch nicht geklärt.
Ebenso noch offen ist es, ob Astarloza tatsächlich der einzige positiv getestete Fahrer bei dieser Tour de France bleiben wird, oder ob es, in den zukünftigen Tagen, Wochen oder Monaten, neuerliche Schreckensnachrichten aus den Dopinglaboren geben wird.

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