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Paris-Camembert (1.1)

in Rennberichte 15.04.2009 14:30
von frank_schleck | 211 Beiträge



Wie bei jeder unser Übertragungen sehen sie auch heute zuerst das Profil des anstehenden Rennens. Das anstehende Rennen, das ist heute Paris-Camembert, ein, wie man bereits am Namen hört, französischer Klassiker, der kaum jünger ist, als das kürzlich veranstaltete älteste Rennen der Welt, Paris-Roubaix. Bereits im Jahre 1906 konnte ein nicht mehr eindeutig zu nennender Fahrer das Rennen das erste Mal für sich entscheiden. Die zweite Austragung ließ dann lange auf sich warten. Paris–Vimoutiers hieß das Rennen bei seiner zweiten Austragung 1934, die aber auch nur 3 mal so stattfand, bis man 1937 wieder zum alten Namen zurückkehrte.
1941 und 1945 fand das Rennen wohl aufgrund des auch in Frankreich wütenden Krieges nicht statt, doch ansonsten wurde das Rennen seither immer ausgetragen. Heute ist es auch unter dem Namen Trophée Lepetit. Deutsche Sieger gab es schon wahnsinnig viele, man kann sie nicht mal mehr an 5 Sechstel Fingern abzählen! Spaß beiseite, es gab einen, der hieß 1989 Andreas Kappes.
Letztes Jahr gewann Karsten Kroon.

1. KROON Karsten (A2R)
2. VAUGRENARD Benoît (FDJ) +2
3. GARZELLI Stefano (ACE)
4. VOECKLER Thomas (BTL)
5. FÉDRIGO Pierrick (COF) +3
6. LÖVKVIST Thomas (HIR)
7. ROWNY Ivan (TCS) +6
8. GADRET John (A2R) +7
9. IVANOV Serguei (A2R)
10. GLOMSER Gerrit (VGB) +19

Nun aber gleich zum Rennen, auch heute sind wieder einige tolle Fahrer am Start. Fränk Schleck, Nibali, Gilbert, Rodriguez, Fedrigo, Bertagnolli, Cardenas, Duque, Voeckler, Cobo, Vorjahressieger Kroon und Danilo Di Luca und natürlich noch viel mehr. Sie sehen aber: Es ist ein wahres Topstarterfeld hier und der Gewinner des heutigen Rennens wird jedenfalls eine ganze Menge Prestige ernten.

Xabier Florencio, Davide Cimolai und Arnaud Coyot bilden die Gruppe, sie konnten sich vor gut einer Stunde beim eigentlich Rennbeginn lösen. Bisher ca. 45 Kilometer gefahren, die sind aber noch recht flach gewesen. Hügeliger wirds für das Trio da vorne erst nach 100 Kilometern. Da wir ihnen jetzt auch den Vorsprung und die nachführenden Teams sagen werden, können wir sie also gleich guten Gewissens für ein zwei Stunden verlassen, bis es spannend wird. Die führenden Drei haben ca. 2 Minuten Vorsprung und da bleibt er auch jetzt sehr konstant. Viele Teams hinten haben was gegen die Gruppe. Das Feld ist einfach zu stark besetzt, wobei die Gruppe auch unter anderem mit Florencio eine sehr gute Qualität aufweist.

Arnaud Coyot gab alles um in die Gruppe zu kommen

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Hier sind wir wieder, es sind noch 20 Kilometer und immer noch führt die Gruppe mit exakt 12 Sekunden Vorsprung vor dem Feld. Also ist sie jetzt Geschichte, auch wenn Xabier Florencio mit den letzten verzweifelten Tritten noch versucht wieder wegzukommen. Ziemlich aussichtslose Kiste. Und da sind sie auch schon geschluckt, als Letztes hier der Mann von Fuji-Servetto, dessen Manager ja sagte man sei nur zum Formaufbau hier aber da ist eine Attacke von einem seiner Mannen! Thomas Voeckler der ständige Unruheherd aus dem Elsass will es nicht auf dem 4. Platz des Vorjahres beruhen lassen! Kann er der bisher sensationellen Saison des einstmaligen Abstiegskandidaten eine weitere Krone aufsetzen? Super eingefädelte Attacke, da konnte geradezu keiner mitgehen. Einige Teams scheinen sich zudem zu Beginn schon sehr stark mit der Gruppe beschäftigt zu haben, sodass sie jetzt geschwächt sind.
Und Thomas Voeckler konnte sich erst einmal lösen - verbissen kämpft er bereits jetzt, dass er weiter wegkommt. Hat ja eher einen unrhythmischen Fahrstil, der Mann, der einst 10 Tage lang in Gelb die Franzosen beglückte.
Immer weiter machen ruft man ihm aus dem Teamwagen zu. Und das auch berechtigt, denn bisher hat sich das richtig gelohnt: Er hat durch das hinten verschleppte Tempo seines Teams schon sagenhafte 40 Sekunden Vorsprung. Und das bei gerade mal 12 verbleibenden Kilometern. Mit stolzen 16% geht es jetzt bergauf, das ist nicht unbedingt seine beste Disziplin, wenn es richtig steil wird, aber er ist ein Allrounder.
Attacke im Feld! Wer es ist, kann ich gar nicht ausmachen, aber Ag2R und Vacansoleil sind dran, schließen das jetzt erst mal und wollen das Loch zum mittlerweile knallroten Voeckler wieder zufahren. Für den geht es jetzt 6 Kilometer geradeaus, dann 3 bergab und einen bergauf. Er kann ein exzellenter Abfahrer sein und wenn es um wichtiges geht über sich hinauswachsen. 31 Sekunden hat er auf das mittlerweile rasende Hauptfeld, das aber eben auch schon geschwächt ist, von der frühen Tempoarbeit und die Gruppe eigentlich zu früh wieder eingeholt hat. Es geht jetzt bergab für Voeckler, wir sehen hier gerade nur eine Wiederholung, wie er sich den Anstieg hochquält:



Es sieht gut aus, aber das Feld kommt immer näher, noch 25 Sekunden. Für Voeckler nur noch 2 Kilometer zu fahren, das sollte eigentlich reichen, einzig der Anstieg könnte da noch ein kleiner Hoffnungsschimmer fürs Feld sein. Ryder Hesjedal, den wir in unserer Favoritenaufzählung vergessen haben, attackiert nun und der Saft bei den teams, die einen Sprint wollten ist scheinbar alle. Fränk Schleck geht nun auf die Verfolgung von Ryder Hesjedal! Für Voeckler sind es noch 800 Meter, die richtig steil bergauf gehen. Der Vorsprung auf Hesjedal auf mikroskopische 19 Sekunden geschrumpft und hinter Hesjedal der rasende Fränk Schleck! Kann Schleck hier noch mal richtig Gas geben und den nur noch durch Kampf auf dem Fahrrad sitzenden Voeckler noch überholen? 400 Meter noch und 15 Sekunden Vorsprung hat Voeckler noch auf SChleck. Das wars. Thomas Voeckler gewinnt also doch noch mit viel Einsatz dieses prestigeträchtige Rennen und ein enttäuschter Fränk Schleck kommt mit 13 Sekunden Rückstand auf Rang 2. Bronze geht an den Kanadier Ryder Hesjedal, der hier vllt. zu früh attackiert hat. Jedoch sollte man ihm bei der Konkurrenz keinen allzu großen Vorwurf machen.
Am Ende brettert das Feld sogar nur 3 Sekunden hinter Hesjedal ins Ziel. Thomas Voeckler konnte gerade einmal 19 Sekunden Vorsprung auf das Peloton retten, daran sehen sie, wie dort noch mal Gas gegeben wurde.
Sieger des Sprints im Feld ist... Herrje, das hab ich jetzt verschlafen, ach hier kommt das ergebnis!

4.Danilo Di Luca + 19sek.
5.Jussi Veikkanen s.t.
6.Pierrick Fedrigo s.t.
7.Leonardo Duque s.t.
8.Leonardo Bertagnolli s.t.
9.Mario Aerts s.t.
10.Mikhaylo Khalilov s.t.
11.Vincenzo Nibali s.t.
12.Joaquin Rodriguez s.t.
13.Ruben Plaza s.t.
14.Philippe Gilbert s.t.
15.Fabian Wegmann s.t.

Und die ersten Drei demnach:

1.Thomas Voeckler
2.Frank Schleck + 13sek.
3.Ryder Hesjedal + 16sek.

Kaum zu glauben, was das Team von Thomas Voeckler bisher für eine Saison liefert, Saisonsieg Nummer 10, wenn ich als Reporter richtig mitgezählt habe.
Ärgerlich für Ag2R wiederum ist, dass man den Feldsprint gewinnen konnte. Hätte man das Feld zusammenhalten können hätte es keine Probleme gegeben.
Aber die Stellen, von denen die Attacken erfolgten, waren auch gut gewählt, sodass es für Ag2R und Vacansoleil, die beiden Hauptaktivistenteams im Feld schwer war, zu reagieren.
Genug geredet von mir, ich verabschiede mich hiermit von ihnen aus frank_schleck-TV und sage ciao bis Sonntag, wenn ich für sie das Amstel Gold Race kommentieren werde.


Sieger des Sprints im Feld und dann doch nicht Sieger des Rennens: Bitterer Nachmittag für Danilo di Luca

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