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Paris-Camembert Lepetit (1.1)

in Rennberichte 15.12.2008 16:53
von Schnurer | 838 Beiträge

Herzlich Willkommen zum französischen Eintagesrennen Paris-Camembert!
Wie bereits im vergangenen Jahr, als Sebastien Joly die Nase vorne hatte, erwartet uns heute ein gerade zum Ende hin sehr anspruchsvolles Rennen über insgesamt 200 Kilometer. Während die ersten 100 Kilometer größtenteils flacher und somit einfacher Natur sind, geht es dann Schlag auf Schlag. Es gibt insgesamt 8 Anstiege, inklusive der sehr steilen Zielsteigung. Viele dieser Hügel sind äußerst anspruchsvoll und weisen Steigungsprozente von bis zu 17 % auf. Es wird also ein letzter guter Test für die am Wochenende auf dem Programm stehenden Ardennenklassiker sein. Hier das Profil:





Sie sehen es selbst, liebe Zuschauer, das wird heute alles andere als eine lockere Trainingsfahrt. Dafür dürften auch die zahlreichen Favoriten sorgen, die sich hier hoffentlich gegenseitig zu Topleistungen aufschwingen, sodass wir ein spannendes Finale erleben werden. Zu diesen Topfavoriten dürften in erster Linie die Herren Kroon (A2R), Garzelli (ACE), Nibali (FDJ), Herrero (KGZ) und als wohl höchstgewetter Mann Danilo di Luca (LPR) zählen. Diese 5 Fahrer sind wie gemacht für die steilen Passagen des Rennens und damit zu favorisieren. Auch andere Teams nicht zu unterschätzen, beispielsweise Tinkoff, dessen Manager schon oft eine Überraschungskarte in der Hinterhand hatte. Auch Astana mit Anza, High Road mit Lövkvist, Bouygues mit Moinard und Cofidis mit Fedrigo werden nicht zu unterschätzen sein.

Das Rennen wurde bereits vor einigen Minuten durch den Bürgermeister der Stadt Camembert, der Käsestadt Frankreichs, eröffnet. Es entwickelte sich ein sehr hektisches Rennen. Zahlreiche Teams wollten Fahrer in der frühen Gruppe unterbringen. Da hatten allerdings Ag2r, Bouygues und Tinkoff etwas dagegen, sodass es immer wieder neue Attacken gab, die dann erstmal zunichte gemacht wurden. Das ging ungefähr die ersten 20 Rennkilometer so, ehe die drei Teams mit der Gruppenkonstellation an der Spitze ganz offensichtlich zufrieden waren, weshalb sie sich absetzen konnte. Hier der Überblick:

Zitat
Tete de la Course

ISAJSCHEW Wladimir (KGZ)
KOHUT Slawomir (ACE)
BLAIN Alexandre (COF)
KRIVTSOV Yuriy (HIR)
HELMINEN Matti (VBG)
SWIFT Ben (BAR)
CROSBIE Nicolas (AST)



Sie sehen es, liebe Zuschauer, keine allzu starke Gruppe, die sich da gelöst hat. Den großen Coup würde ich von diesen sieben Fahrern am ehesten Yuri Krivtsov zutrauen, der für High Road am Start ist. Wir sehen im Übrigen drei Osteuropäer, aber nur zwei Franzosen in der frühen Gruppe, das ist doch erstaunlich. Dafür zeigen sich mit Bouygues Telecom und ag2r La Mondiale zumindest zwei französische Teams in der Nachführarbeit, ebenso wie die Russen von Tinkoff. Der Vorspung ist nun, immerhin schon 70 Kilometer nach dem Start, bei 5:31 Minuten angelangt. Da ist also alles im grünen Bereich, was das Einholen der Gruppe für das Peloton angeht.

Mit Malori, Commesso und Herrero stehen im Übrigen drei Fahrer am Start, die hier das letzte Mal das Trikot ihres bisherigen Teams überstreifen werden. Auf einer Pressekonferenz vor dem Rennen wurde bekanntgegeben, dass die drei das Team wechseln werden. Während es Herrero zu den Ölmilliardären von Tinkoff zieht, sehnt sich der junge Adriano Malori offenbar nach seiner Heimat, weshalb er Bouygues in Frankreich verletzt und dafür in Zukunft für Aquca é Sapone an den Start gehen wird. Commesso wagt im Übrigen den Schritt über den großen Teich zur in der Contitour momentan tonangebenden Mannschaft von Slipstream Chipotle, wo er vor allem die jungen Fahrer wie Boassen an die Hand nehmen und ihnen einige Kniffe beibringen soll. Das Tempo im Feld hat im übrigen erneut angezogen. 120 der insgesamt 200 Kilometer sind nun absolviert und der ehemals passable Vorsprung ist auf ein Minimum von 2:31 Minuten zusammengeschrumpft. So können wir, da die Gruppe aller Wahrscheinlichkeit nach sowieso eingeholt wird, nochmal ein Blick auf die Zielpassagen werfen. Wie schon erwähnt, gibt es da einige sehr steile Abschnitte, die geradezu wie für eine Tempoverschärfung gemacht sind. So zum Beispiel der Côte des Champeaux, der mit 17 % Steigung am heutigen Tag der vorletzte und wohl schwerste Berg des Rennens werden wird. Dort kann man mit einem saftigen Antritt sicher eine Vorentscheidung herbeiführen, doch da soviele starke Fahrer beisammen sind, wird sich die Entscheidung meiner Meinung nach erst am Schlussanstieg hoch nach Vimoutiers fallen. Ebenso hinabstürzen tun sich nun die Fahrer, die gerade zum ersten Mal den insgesamt 3-mal zu absolvieren Côte de Roiville absolviert haben und nun auf der doch recht gefährlichen und kurvenreichen Abfahrt sind. Die Pace im Feld macht noch immer das Trio um Tinkoff, Bouygues und ag2r. Sie haben offensichtlich wieder ein bisschen das Tempo gedrosselt, denn nun sich erstmal nur wenige Sekunden vom Vorsprung weg, sodass es immerhin noch 1:21 Minuten für das Septett an der Spitze sind. Wir kommen nun ein zweites Mal zum Côte de Roiville, und das bei Kilometer 160. Die Gruppe hat da offenbar schon einige Mühe. Nicht aber so im Feld, Attacke! Ivan Rovny von Tinkoff nimmt sein Herz in beide Hände und gibt hier richtig Gas, das immerhin bei einer Steigung von 10 %. Auf der erneuten Abfahrt haben wir nun Zeit für einen kurzen Überblick der Rennsituation:

Zitat
Tete de la course

ISAJSCHEW Wladimir (KGZ)
KOHUT Slawomir (ACE)
BLAIN Alexandre (COF)
KRIVTSOV Yuriy (HIR)
HELMINEN Matti (VBG)
SWIFT Ben (BAR)
CROSBIE Nicolas (AST)

Poursivaint I:::+19 Sekunden

ROVNY Iwan (TCS)

Peloton:::+34 Sekunden



Das Feld hat da richtig gut gemacht auf die Spitzengruppe, gerade mal 34 Sekunden sind das noch, ich wage die Prognose, dass die innerhalb der nächsten Steigung eingeholt werden. Dort sind wir nun, am Côte de Canapville. Rovny hat hier offensichtlich ganz starke Beine, denn er hat an diesem Anstieg bereits zur Spitzengruppe aufgeschlossen und diese dann tatsächlich sogar im Allleingang stehen lassen, ganz starke Leistung des jungen Russen. Krivtsov und Swift versuchten zwar nochmal kurz zu folgen, waren dann aber nicht in der Lage dazu und sind damit wie der Rest der Gruppe, wieder im Feld, wo sie nun sicher ihre Probleme bei dem mittlerweile hohen Tempo bekommen dürften.

Zitat
tete de la Course

ROVNY Iwan (TCS)

Peloton:::+21 Sekunden



So, wie gesagt wird es jetzt Schlag auf Schlag gehen. Noch drei Anstiege inklusive der Zielsteigung haben wir nun noch. Noch immer bestimmt Ivan Rovny von Tinkoff das Rennen. Er fährt bemerkenswert stark, doch gegen ds ganze Feld werden seine Kräfte wohl nicht allzu lange halten, schauen wir mal. Er befindet sich nun am Côte de Moulin Neuf, 16 % Steigung. Auch das Feld kommt nun an diesen Anstieg und da trennt sich nun die Spreue vom Weizen. Bouygues und ag2r fahren hier stark und das Feld auseinander, da gibt es viele schmerzverzerrte Gesichter am Ende des Pelotons. 8-9 Fahrer kommen da als erste Gruppe nun zur Kuppe, Rovny haben sie schon in Sichtweite und werden ihn jetzt auf der Abfahrt hin zum vorletzten Hügel auch gleich kassieren. Dahinter gibt es einige kleine verprengte Grüppchen, das wird dauern, bis da eine organisierte Nachführarbeit möglich ist. So, wie prophezeit hat die Verfolgergruppe von gerade zu Rovny aufgeschlossen, sodass wir folgende Situation haben:

Zitat
Tete de la course

ROVNY Ivan (TCS)
KROON Karsten (A2R)
GADRET John (A2R)
IVANOV Serguei(A2R)
VAUGRENARD Benoit (FSJ)
PARRA IVAN (BTL)
VOECKLER Thomas (BTL)
GARZELLI Stefano (ACS)
FEDRIGO Pierrick (COF)
LÖVKVIST Thomas (HIR)


Peloton:::+26 Sekunden



Sie sehen es selbst, eine ganz starke Gruppe hat sich da formiert. Ag2r mit sage und schreibe drei Fahrern und Bouygues Telecom mit zwei Fahrern stellen da die deutlich stärksten Kontingente. Doch auch einige Favoriten haben hier die Gruppe verpasst, es kann nicht immer jedem gelingen. Herrero, di Luca, dessen Team sich offenbar im Tiefschlaf befindet, und Glomser sind wohl die bekanntesten Namen, die hier den Sprung in die Gruppe verpassten.

So, nun der vorletzte Anstieg, die Gruppe belauert sich. Hinten im Peloton, dass durch diese zahlreichen Steigungen schon arg dezimiert ist und diesen Namen kaum verdient, teilen sich momentan Karpin Galicia und Volksbank die Arbeit, auch Barloworld und Astana sieht man teilweise, doch eher sporadisch. Panne! Reifenpanne bei Ivan Parra in der Spitzengruppe! Das ist natürlich mehr als bitter, er fällt ins Peolton zurück, der Mechaniker im neutralen Materialwagen leistet zwar ganze Arbeit, doch das ist eine ganz doofe Stelle hier bei 17 % Steigung ist das Rennen für ihn gelaufen. An diesem Anstieg passiert wie gesagt nichts, es geht nun an die Schlusssteigung. Ag2r mit einer taktisch gesehen fantastischen Position hier, sie sind allen Teams 3:1 überlegen, wenn sie hier nicht gewinnen, wäre das ein Armutszeugnis. Ivanov und Gadret knallen da nun in den Anstieg hinein, das ist ja enorm, unglaublich! Da hat Rovny seine Mühe, der fällt ab, doch es sind nun nur noch 300 Meter bis ins Ziel, dafür aber sehr steil. Am Ende der Gruppe wird nun schon gebissen, Gadret und Ivanov leisten sehr gute Helferdienste für ihren Kapitän Karsten Kroon. Und da kommt die Attacke! Karsten Kroon attackiert! Und wie er das macht, die Form für die Ardennenklassiker scheint bei ihm zu stimmen, er setzt sich sofort ab. Der erstaunlich starke Vaugrenard geht hinterher, Garzelli am Hinterrad. Fedrigo und Lövkvist sehen nicht mehr so frisch aus, Kroon hat noch 50 Meter, das muss soch einfach reichen. Jawohl! Sieg für Karsten Kroon von ag2r La Mondiale! Vaugrenard wird Zweiter, starker Dritter wird Stefano Garzelli. Voeckler kann sich den starken vierten Platz holen und damit die Führung im Coupe de France verteidigen, es folgen auf den Plätzen Fedrigo auf 5, Lövkvist auf 6, Rovny auf 7, dann die beiden vollkommen platten Helfern von Kroon, Gadret und Ivanov. Den Sprint des Hauptfeldes gewinnt Glomser, der damit Zehnter wird, vor Nibali, Anza, Benitez, Mosquera und Trofimov!

Das war´s von mir, sehr spannendes Rennen hier, bis dahin!

Ergebnisse von Harryhase


Zitat
Endergebnis

1. KROON Karsten (A2R)
2. VAUGRENARD Benoît (FDJ) +2
3. GARZELLI Stefano (ACE)
4. VOECKLER Thomas (BTL)
5. FÉDRIGO Pierrick (COF) +3
6. LÖVKVIST Thomas (HIR)
7. ROWNY Ivan (TCS) +6
8. GADRET John (A2R) +7
9. IVANOV Serguei (A2R)
10. GLOMSER Gerrit (VGB) +19
11. NIBALI Vincenzo (FDJ)
12. ANZA Santo (AST)
13. BENITEZ Javier (BAR)
14. MOSQUERA Ezequiel (KGZ)
15. TROFIMOV Yuri (TCS)

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