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Coppa Bernocchi (1.1)

in Rennberichte 20.08.2009 17:06
von Leon | 1.902 Beiträge

Hallo und Herzlich Willkommen zur Coppa Bernocchi 2009! Traditionell bildet dieser italienische Klassiker den Abschluss der Trittico Lombardo, der kleinen Serie der drei Rennen Coppa Agostoni, Tre Valli Varesine und Coppa Bernocchi.
Es gibt fünf Fahrer, die beide bisherigen Rennen in den Top15 abschlossen, hier haben wir mal die inoffizielle Rangliste, wenn man die Tagesplatzierungen zusammenzählt:

Zitat

Benoit Vaugrenard (ASA) 6
Santo Anza (SKS) 7
Giampaolo Caruso (BMC) 10
Karsten Kroon (BMC) 12
Paolo Bailetti (ISD) 15


Benoit Vaugrenard würde diese Rangliste also anführen, die große Frage ist aber, ob er diesen ersten Platz heute auch verteidigen kann, zumal die Coppa Bernocchi eher ein Rennen für die Sprinter ist. Santo Anza ist derweil heute gar nicht angetreten, ich persönlich würde demnach Karsten Kroon und Paolo Bailetti, die beide ihre Qualitäten im Sprint haben, ganz gute Chancen ausrechnen, wobei diese Rangliste - zumal inoffiziell und fiktiv - natürlich auch nicht allzu wichtig ist.

Das wichtige ist heute der Tagessieg und auf den gibt es einen klaren Favoriten: Der US-Amerikaner Tyler Farrar (Topsport Vlaanderen) steht hier am Start.


Tyler Farrar von Topsport Vlaanderen - der Mann, den es zu schlagen gilt


Sollte das Rennen tatsächlich im Massensprint zu Ende gehen, wäre Farrar natürlich Sieganwärter Nummer 1, aber an an anderen endschnellen Fahrern, die ihm das Leben möglichst schwer machen wollen, mangelt es nicht. Da wären die Italiener Mirco Lorenzetto (Skil-Shimano), Jacopo Guarnieri (BBox Bouygues Télécom), Enrico Rossi (BMC Racing) und Manuel Belletti (Rock Racing) zu nennen, zudem der Neuseeländer Greg Henderson (Acqua & Sapone) und vielleicht sogar der Franzose Said Haddou (Landbouwkrediet).

Das es zum Massensprint kommen wird, darin ist sich das Gros der Sportlichen Leiter einig, wenn man sich das Profil anschaut, so sind keine allzu großen topographischen Schwierigkeiten zu bewältigen. Start und Ziel befinden sich in der 50.000-Einwohner-Stadt Legnano, nahe gelegen bei Mailand und dazwischen werden zunächst nur flache Kilometer absolviert, bevor es in der Mitte des Rennens kleinere Erhebungen gibt, die sich bis etwa 50 Kilometer vor dem Ziel hinziehen, bis es dann nur noch flach bis ins Tagesziel weitergeht. Dennoch dürfen wir gespannt sein, nicht zuletzt aufgrund der Frage, ob jemand Farrar hier schlagen kann.
Kommen wir nun zum Rennen, von dem wir Ihnen zunächst in einer Zusammenfassung berichten und dann LIVE auf die letzten Kilometer gehen werden.


Sofort nach Senken der Startflagge setzte der Brite Steven Cummings von Acqua & Sapone die erste Attacke des Rennens, gefolgt vom Belgier Staf Scheirlinckx von Landbouwkrediet und dem Schweizer Steve Morabito (BMC). Einigen Teams passte diese Gruppe aber nicht, sogar das Team von Farrar, Topsport Vlaanderen, zeigte sich umgehend in der Nachführarbeit, so dass die drei nach 10 gefahrenen Kilometern nur noch wenige Meter Vorsprung auf das Feld hatten. Morabito wollte sich allerdings noch nicht geschlagen geben und attackierte aus der Gruppe heraus, während Cummings und Scheirlinckx eingeholt wurden. Währenddessen kam es zu weiteren Attacken aus dem Hauptfeld heraus, vier Fahrer machten sich auf die Verfolgung von Steve Morabito, unter ihnen auch der Deutsche Dennis Pohl von der niederländischen Skil-Shimano-Manschaft. Zwar war Topsport Vlaanderen mit dieser Gruppe nicht zufriedener, allerdings wollte man seine Kräfte nach der bereits Kräfte kostenden Verfolgung von Scheirlinckx und Cummings nicht schon in der Anfangsphase verbrauchen, so dass die ziehen gelassen wurde, der Vorsprung jedoch klein blieb. Das Verfolger-Quartett konnte schnell zu Morabito aufschließen, so dass sich in der Folge neben dem Schweizer und Dennis Pohl noch drei weitere Fahrer an der Spitze befanden: Yannick Eijsen von ISD sowie die beiden Franzosen Mickael Delage (Acqua & Sapone) und Stéphane Bonsergent (Landbouwkrediet).

Zitat

Dennis Pohl (SKS)
Yannick Eijsen (ISD)
Mickael Delage (ASA)
Stéphane Bonsergent (LAN)
Steve Morabito (BMC)



Der Vorsprung wuchs nur gemächlich an, nach 70 Kilometern betrug er gerade mal 3:15, nach 100 Kilometern - etwa die Hälfte des Rennens - 3:58. Das war auch der Maximalvorsprung, in der Folge schmolz er wieder. Im Hauptfeld sorgten Topsport Vlaanderen mit Sep Vanmarcke, Maarten Neyens und Johan Le Bon sowie BBox Bouygues Télécom mit Romain Hardy und Daniel Martin und Rock Racing (Jeremy Vennell & David Veilleux) für die Tempoarbeit. 65 Kilometer vor dem Ziel hatte die Gruppe dann nur noch eine Minute, 5 Kilometer später war es um das Quintett beinahe geschehen, auch eine Verzweiflungstat von Yannick Eijsen und Stéphane Bonsergent brachte nichts mehr und genau 57 Kilometer vor dem Ziel war wieder alles komplett.
Da nun bereits die letzten Anstiege anstanden ließ die nächste Attacke nicht lange auf sich warten. Zunächst nur als Tempoverschärfung gedacht, setzte sich der Italiener Manuele Mori (Skil-Shimano) leicht ab, woraufhin sich zwei Fahrer an sein Hinterrad hängten, der Kanadier Ryder Hesjedal (Rock Racing) und der Italiener Damiano Caruso (BBox Bouygues Télécom) - nicht zu verwechseln mit Giampaolo Caruso von BMC, der Zweiter bei der Coppa Agostini vor drei Tagen wurde.

Zitat

Manuele Mori (SKS)
Damiano Caruso (BBO)
Ryder Hesjedal (RRC)



Kurz darauf versuchte auch der Italiener Paolo Bailetti von ISD sich auf und davon zu machen, allerdings unterband Topsport umgehend seine Attacke, man wollte keine zu große Gruppe wegkommen lassen. Das neue Spitzen-Trio konnte den Vorsprung allerdings nie größer als 30 Sekunden ausbauen, was daran lag, dass nur Mori und Hesjedal überhaupt mitführten, der Italiener Caruso von BBox wohl nur als Aufpasser in die Gruppe geschickt wurde. Letztlich konnten die drei ihren Vorsprung etwa 20 Kilometer lang aufrechterhalten, bevor 35 Kilometer vor dem Ziel auch ISD vermehrt mit Julien Vermote und Alberto Contoli für Tempo sorgte. 30 Kilometer vor dem Ziel hatten sie nur noch zehn Sekunden Vorsprung, so dass Caruso und Hesjedal die Beine hochnahmen, Mori noch einen Kilometer länger den Vorsprung verteidigte und dann vom Feld geschluckt wurde. In der Folge hielt vor allem das Favoritenteam Topsport das Tempo hoch, so dass es zu keinen Attacken mehr kam. Momentan befindet sich das geschlossene Feld 5 Kilometer vor dem Ziel und es deutet alles auf eine Sprintentscheidung hin, wir gehen nun LIVE ins Renngeschehen.


So ist es, 5 Kilometer noch für das Feld, welches weiterhin von Topsport Vlaanderen angeführt wird. Viele Teams orientieren sich jetzt nach vorne, der Kampf um die besten Plätze und das beste Hinterrad hat begonnen! Noch fährt Topsport von vorne, einige Züge bilden sich, der von Acqua & Sapone befindet sich momentan direkt hinten der Topsport-Fahrern. Aber da eine Attacke! Ein Fahrer von ISD versucht sich abzusetzen, das ist wieder Paolo Bailetti, der es schon vorhin kurz am Anstieg probiert hatte. Eine kleine Lücke hat er reißen können, aber Topsport Vlaanderen fährt aufmerksam in Form von Sep Vanmarcke hinterher. Bailetti scheint gewillt, hier und heute ganz vorne reinzufahren, mit einer Platzierung unter den ersten 15 würde er wohl immerhin in der Trittico Lombardo den kleinen Sieg davontragen. Aber bei Topsport geht jetzt schon der noch frische Nikolas Maes nach vorne, Bailetti hat nur noch wenige Meter und ja, jetzt wird er auch eingeholt. Aber umgehend die nächste Attacke! 3 Kilometer vor dem Ziel probiert es wieder ein Fahrer von ISD, die zeigen sich hier ähnlich offensiv wie schon bei der Coppa Agostoni. Das ist der Ukrainer Yury Mitlushenko, der wäre ja selber ein Kandidat für den Massensprint, er will es aber anscheinend schon zuvor versuchen. Da ist schon mehr dahinter als zuvor bei Bailetti, allerdings schaltet sich jetzt auch Rock Racing mit Maciej Bodnar in die Nachführarbeit ein. 2 Kilometer noch, 7 Sekunden für Mitlushenko, er hat also doch schon einiges herausgeholt. Der Zug von Topsport läuft jetzt, Nikolas Maes hat seine Arbeit getan, es übernimmt Michael van Staeyen, drei Fahrer noch vor Farrar.
Der Kampf um das Hinterrad von Farrar ist groß, momentan streiten sich BMC mit Enrico Rossi und BBox mit Jacopo Guarnieri um das Hinterrad, auf der rechten Straßenseite sehen wir den Zug von Rock Racing, der auch gut ausschaut, dort Daniele Colli an der Spitze. Mitlushenko hingegen ist jetzt fast gestellt.

Genau unter der Flamme Rouge kommt es zum Zusammenschluss! Der letzte Kilometer ist angebrochen! Topsport vorne, links kommt jetzt allerdings der Zug von Acqua & Sapone auf, der schaut gut aus, Vaugrenard gerade rausgegangen, jetzt Arnaud Gerard an der Spitze, die überholen ja den Topsport-Zug! Auf der rechten Seite weiterhin Rock Racing, Skil-Shimano hingegen weiter hinten, da ist der Zug wohl nicht perfekt gelaufen, wobei jetzt kommen auch diese nach vorne, Francesco Chicchi bringt seinen Kapitän Lorenzetto nach vorne!
Währenddessen Hayden Roulston mit einer Meisterleistung, der Neuseeländer verdrängt Acqua & Sapone wieder von der Spitze und sorgt dafür, dass der Topsport-Zug wieder an der Spitze ist, den Kampf um das Hinterrad von ihm scheint derweil Guarnieri dank seines Teamkollegen Cadamuro für sich entschieden zu haben, 500 Meter noch!
Bei Topsport ist Roulston weg, der letzte Anfahrer von Farrar - Matthew Goss - übernimmt das Kommando. Der lanciert ihn hier großartig, da reißt gar eine kleine Lücke hinter Farrar, Guarnieri kann sie aber doch wieder schließen. Rechts und links von Topsport immer noch Acqua & Sapone jetzt mit Leezer, der für Henderson anzieht beziehungsweise Rock Racing, wo Steven de Jongh Manuel Belletti nach vorne bringt! Auch Skil-Shimanos Chicchi hat Lorenzetto beinahe nach ganz vorne gebracht, ganz starke Leistung. 250 Meter sind es noch, Goss tritt seine letzten Pedalumdrehungen, bevor Farrar hinter ihm herausschießen wird, jetzt ist es soweit, Tyler Farrar eröffnet den Sprint! Farrar von vorne, Guarnieri hinter ihm, rechts und links Belletti und Henderson, leicht dahinter Lorenzetto, der aber stark aufkommt, und Enrico Rossi! Guarnieri verliert den Kontakt zu Farrars Hinterrad, Farrar mit einem unheimlich starken Sprint, Lorenzetto jetzt allerdings an zweiter Position, was für ein Finale bei Skil-Shimano, erst von Chicchi, jetzt will Lorenzetto vollenden, hinter Farrar und Lorenzetto bereits eine größere Lücke, die letzten Meter, Farrar weiterhin vorne, Lorenzetto kommt ein wenig ran, nein, jetzt zieht Farrar doch noch davon, das reicht, das reicht, Farrar siegt! Lorenzetto dann doch recht deutlich geschlagen, aber immerhin starker Zweiter, dahinter eine ganz enge Geschichte, der Neuseeländer Greg Henderson schafft es aufs Podium, das hat er auch seinem starken Anfahrer Tom Leezer zu verdanken, Riesenerfolg für Acqua & Sapone, Vierter wird Jacopo Guarnieri, der das Hinterrad von Farrar nicht ganz halten konnte, auf Platz Fünf landet Manuel Belletti von Rock Racing, gefolgt von Enrico Rossi und Said Haddou.
Ich sehe gerade, Paolo Bailetti hat es als einziger der Fahrer, die alle drei Rennen der Trittico bestritten haben, in die Top15 geschafft, damit wenigstens ein kleiner Erfolg für ISD, Bailetti holt den kleinen (inoffiziellen) Sieg der Trittico Lombardo.

Ich verabschiede mich von Ihnen von diesem unheimlich spannenden und taktischen Sprint mit dem Endergebnis, Bailetti ist also noch Zehnter geworden, dahinter dann die meisten Sprintanfahrer.

01 Tyler Farrar (TSV)
02 Mirco Lorenzetto (SKS)
03 Greg Henderson (ASA)
04 Jacopo Guarnieri (BBO)
05 Manuel Belletti (RRC)
06 Enrico Rossi (BMC)
07 Said Haddou (LAN)
08 Claudio Corioni (ISD)
09 Matthew Goss (TSV)
10 Paolo Bailetti (ISD)

11 Francesco Chicchi (SKS)
12 Tom Leezer (ASA)
13 Steven de Jongh (RRC)
14 Alexei Markov (LAN)
15 Yury Mitlushenko (ISD)

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