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Trofeo Melinda - val di Non (1.1)

in Rennberichte 23.08.2009 14:07
von Leon | 1.902 Beiträge

Ich begrüße sie recht herzlich zur Trofeo Melinda 2009! Die Trofeo Melinda gehört zu den schwereren italienischen Eintagesrennen. Das Val di Non, durch dass das Rennen führt, befindet sich im nördlichen Italien am Alpenrand, der nördliche Teil des Tals gehört zu Südtirol. Klar also, dass die Region ziemlich bergig ist und auch heute haben die Fahrer einige schwere Anstiege zu überwinden, wie man beim Blick auf das Profil auch unschwer erkennen kann.



Zunächst führt das Rennen also rund 100 Kilometer über welliges Gebiet, der schwerste Anstieg ist der Bonzone. Dann wird ein dreimal zu befahrener 31 Kilometer langer Rundkurs bewältigt, der jeweils mit einer Abfahrt beginnt und dann in einem Schlussanstieg endet. Das Rennen ist also sicherlich etwas für berg- oder zumindest hügelfeste Fahrer.

Auch heute haben wir kein allzu hochklassiges Starterfeld, dennoch gibt es natürlich den ein oder anderen Favoriten. Herausstechen tun sicherlich die Fahrer von Topsport Vlaanderen und BMC Racing, die sich ja momentan einen packenden Kampf um den ersten Platz in der Conti-Tour liefern, auch wenn Topsport sich nun ein bisschen absetzen und der Aufstieg der beiden in di ProTour eh schon besiegelt ist. Fredrik Kessiakoff, Jussi Veikkanen und Paul Martens (alle Topsport) sowie Karsten Kroon und Giampaolo Caruso (beide BMC) sind die stärksten Fahrer der angesprochenen Teams und dürften als Favoriten für die Trofeo Melinda gelten. Chancen kann man aber auch den beiden Italienern von Skil-Shimano - Santo Anza und Alessandro Bertolini - sowie dem Venezuelaner Jackson Rodriguez (Acqua & Sapone), dem Kanadier Ryder Hesjedal (Rock Racing), dem Belgier Thomas de Gendt (Landbouwkrediet) und den beiden Italienern Paolo Bailetti (ISD-Danieli) und Damiano Caruso (BBox Bouygues Télécom) zurechnen.
Wie gewohnt werden wir Ihnen das Rennen zunächst in der Zusammenfassung präsentieren, bevor wir LIVE auf die letzten Kilometer gehen werden.


Nach 7 Kilometern erfolgte die erste Attacke von Simone Masciarelli (ISD), der vor kurzem verkündete, dass er nach der Saison aller Voraussicht nach seine Karriere beenden und in die sportliche Leitung wechseln werde. Seine Attacke fruchtete, man ließ ihn ziehen, doch 5 Kilometer später, gab es einen erneuten Vorstoß aus dem Hauptfeld, diesmal vorgetragen von dem Südafrikaner Jacques van Rensburg (Acqua & Sapone), mit ihm seinem Teamkollegen Peter Kennaugh. Zwei weitere Fahrer hängten sich nun an das Acqua-Duo ran, zum einen der Ire Dan Martin (Bbox), zum anderen der Belgier Jérôme Baugnies (Landbouwkrediet). Das Quartett konnte zu Masciarelli aufschließen und die Gruppe des Tages stand:

Zitat

Simone Masciarelli (ISD)
Jacques van Rensburg (ASA)
Peter Kennaugh (ASA)
Daniel Martin (BBO)
Jérôme Baugnies (LAN)


Die Gruppe konnte ihren Vorsprung schnell auf mehr als sechs Minuten aufbauen, bevor man im Hauptfeld mit der Nachführarbeit begann. Hier sorgten nun vor allem die beiden Favoriten-Teams Topsport Vlaanderen (mit Nikolas Maes, Lilian Jegou und Fabio Taborre) und BMC Racing (mit Enrico Rossi, Steve Morabito und Alexandre Moos) für das Tempo. Mit der zeigten sich auch vermehrt Skil-Shimano (Jens Mouris & Ronan van Zandbeek) und Rock Racing (Michael Creed & Ricardo Vilela) an der Spitze, so dass die Ausreißer immer an der kurzen Leine gehalten wurden. An der Überfahrt des Bonzone, kurz vor dem Beginn des Rundkurses, hatte die Gruppe nur noch rund zwei Minuten Vorpsrung, während sich im Hauptfeld das Tempo schlagartig erhöhte: Jurgen van de Walle von Topsport verschärfte das Tempo enorm, so dass die ersten Fahrer am Ende des Feldes bereits die ersten Probleme hatten. Den ganzen Aufstieg zum Bonzone sorgte der Belgier für hohes Tempo und so war bereits an der Spitze des Bonzone nur noch ein leicht dezimiertes Feld vorhanden, der Vorsprung des Ausreißer-Quintetts betrug derweil nur noch eine Minute.

Nun ging es in die erste von drei Runden im Rundkurs, doch gleich auf der Abfahrt hielt Topsport das Tempo weiterhin hoch. Bei der ersten Befahrung des späteren Schlussanstieges kam BMC mit Luca Mazzanti und Steve Morabito Tospsport zuhilfe und hielt das Tempo enorm hoch. Bei Topsport hatte van de Walle seine Arbeit nun erledigt, nun war es Carlos Ochoa gemeinsam mit den beiden BMC-Fahrern der das Tempo hoch hielt, so dass sich das Feld weiter verkleinerte. Gegen Ende des Anstieges kam auch Rock Racing mit den drei Spaniern Andres Antuna, Jonathan Castroviejo und Francisco Perez nach vorne, das Tempo wurde nochmals in die Höhe geschraubt und im Feld befanden sich nur noch etwa 35 Fahrer, während nun auch die Ausreißergruppe um den Iren Dan Martin eingeholt und überrollt wurde. Auf der darauffolgenden Abfahrt, dem Beginn der 2. Runde, sorgte der Kanadier Christian Meier (Rock Racing) dafür, dass das Tempo nicht sinkt.

Wieder stand nun der 15 Kilometer lange Anstieg und wieder bleib das Tempo enorm hoch. Wieder war es BMC, die mit Francesco Reda einen frischen Fahrer nach vorne schickten, auch Rock Racings Spanier waren weiterhin vorne. Gegen Ende des Anstiegs, vier Kilometer vor dem Gipfel und somit etwa 35 Kilometer vor dem Ziel, setzte ein Fahrer von Skil-Shimano eine Attacke:


Es handelte sich um den Italiener Manuele Mori, dem nun der Britte Steven Cummings von Acqua & Sapone folgte, so dass fortan ein Spitzenduo bestand:

Zitat
Manuele Mori (SKS)
Steven Cummings (ASA)


Der Italiener konnte sich einen Vorsprung von 20 Sekunden erkämpfen und ging mit diesem in die letzte Runde, auf die letzten rund 30 Kilometer.
Doch im Hauptfeld war man nicht gewillt, den Solisten Mori ziehen zu lassen, wieder waren es vor allm BMC und Rock Racing die Jagd auf ihn machten und so wurde er nach der Abfahrt, am Fuße des Schlussanstieges, eingeholt.
Nun standen lediglich der 15 Kilometer lange Anstieg und das kurze, etwa 2 Kilometer lange Flachstück mit der ansteigenden Zielgerade, an. Nach 5 Kilometer gefahrenen Anstiegs waren auch die letzten Helfer von Topsport, BMC und Rock Racing verschlissen und die Folge des hohen Tempos war eine jetzt schon stark dezimierte Gruppe, bestehend aus folgenden Fahrern:

Zitat

Fredrik Kessiakoff (TSV)
Paul Martens (TSV)
Jussi Veikkanen (TSV)
Carlos José Ochoa (TSV)
Paolo Bailetti (ISD)
Yuri Krivtsov (ISD)
Karsten Kroon (BMC)
Giampaolo Caruso (BMC)
Francesco Reda (BMC)
Santo Anza (SKS)
Alessandro Bertolini (SKS)
Damiano Caruso (BBO)
Jackson Rodriguez (ASA)
Philip Deignan (ASA)
Ryder Hesjedal (RRC)
Alessandro Proni (RRC)
Francisco Perez (RRC)
Thomas de Gendt (LAN)
Alexandre Khatuntsev (LAN)


Topsport hatte nun demnach die strategisch günstigste Position, wobei Ochoa kurz darauf den Anschluss verlor, genau wie Francesco Reda von BMC und Francisco Perez von Rock Racing, da alle drei ja schon zuvor an der Tempoarbeit beteiligt waren. Nun waren also nur noch sechzehn Fahrer an der Spitze, von denes es zuerst der Ukrainer Krivtsov mit einer Attacke probierte, die aber umgehend wieder zunichte gefahren wurde. Krivtsov sowie der Russe Khatuntsev verloren kurz darauf auch den Anschluss-

In der Mitte des Anstiegs, 7 Kilometer vor dem höchsten Punkt und somit 9 Kilometer vor dem Ziel attackierte der Schwede Fredrik Kessiakoff und dessen Attacke fruchtete schon mehr als die von Krivtsov, nicht alle Fahrer konnten mehr mitgehen, unter anderem verlor dr Ire Deignan nun den Anschluss. Jetzt befindet sich die Spitzengruppe 4 Kilometer vor dem Ende des Anstiegs, sechs Kilometer vor dem Ziel und wir gehen LIVE drauf.


So ist, sechs Kilometer sind es noch bis ins Ziel, wir haben die rund 10 Fahrer umfassende Spitzengruppe, in der der Deutsche Paul Martens momentan für das Tempo sorgt. Und da ist eine erneute Attacke, diesmal der Venezuelaner Jackson Rodriguez! Alle anderen fahren aber hinterher, aber sofort eine Gegenattacke, das ist nun der Holländer Karsten Kroon! Jetzt Martens und Bailetti mit Problemen, der Rest kann aber mitgehen, das Tempo wird wieder etwas herausgenommen. Martens und Bailetti können wieder heranfahren, allerdings dürfte die nächste Attacke nicht lange auf sich warten lassen. Vier Kilometer noch bis ins Ziel, Zwei Kilometer Anstieg noch. Und was für eine Attacke von Giampaolo Caruso! Der bringt sofort gut und gerne 20 Meter zwischen sich und die Gruppe, ein Fahrer ist allerdings an seinem Hinterrad, der Kanadier Ryder Hesjedal. Oha, die beiden kommen schnell weg, hinten versucht Martens mit seinen letzten Kräften die Gruppe wieder heranzuführen, aber Caruso und Hesjedal haben schon eine große Lücke reißen können. Jetzt geht Alessandro Bertolini, einige können sein Hinterrad halten, andere nicht, nach ganz vorne können sie aber noch nicht aufschließen! Drei Kilometer noch bis ins Ziel, die Lücken werden größer, sowohl die vom Spitzen-Duo auf die Verfolger, als auch die von den Verfolgern um Bertolini auf andere ehemalige Fahrer der Spitzengruppe. Der Anstieg ist gleich vorbei, ja jetzt haben sie nur noch zwei eher flache, nur leicht ansteigende Kilometer vor sich, hier haben wir die momentane Rennsituation:

Zitat

Ryder Hesjedal (RRC)
Giampaolo Caruso (BMC)

+0.12
Alessandro Bertolini (SKS)
Jackson Rodriguez (ASA)
Karsten Kroon (BMC)
Jussi Veikkanen (TSV)

+0.24 (auf Hesjedal & Caruso)
Fredrik Kessiakoff (TSV)
Santo Anza (SKS)
Alessandro Proni (RRC)
Thomas de Gendt (LAN)

+0.31
Paolo Bailetti (ISD)
Paul Martens (TSV)
Philip Deignan (ASA)
Damiano Caruso (BBO)


Das wird eine enge Geschichte werden, 12 Sekunden gerade mal für Hesjedal und Caruso, wird das reichen? Hinten macht zwar Kroon kein Tempo, weil ja Caruso vorne ist, dennoch sind hinten drei Fahrer und vorne eben nur zwei. Die Gruppe um Kessiakoff kommt auch noch mal näher heran, können die eventuell noch zu der Gruppe um Bertolini aufschließen?

Es geht auf den letzten Kilometer, 9 Sekunden sind es nur noch, das dürfte ganz eng werden! Die letzten 500 Meter sind noch mal ganz schön ansteigend. Hesjedal macht vorne das Tempo, dahinter ist es momentan der Finne Veikkanen, der im Sprint sicher gute Karten hätte. 500 Meter noch, es geht jetzt hoch, Hesjedal und Caruso gehen aus dem Sattel, dahinter verschärft Bertolini das Tempo - und kommt sogar ein bisschen weg. Er schaut sich um, er hat 4-5 Meter auf Veikkanen. Rodriguez und Kroon und zieht jetzt durch. Vorne haben sie nur noch einige Meter Vorsprung, jetzt wird der Sprint eröffnet, Caruso fährt einen langen Sprint, Hesjedal an seinem Hinterrad, es geht um die letzte Kurve, Caruso immer noch vorne, Hesjedal versucht vorbeizuziehen, wenige Meter noch bis zur Ziellinie...und Caruso siegt doch! Knapp vor Hesjedal kann er den Vorsprung über die Linie retten, kurz dahinter wird Alessandro Bertolini Dritter vor Veikkanen und Kroon, Rodriguez immerhin Sechster. Auch dahinter kommt es noch mal zum Sprint, nein De Gendt hat sich ein wenig lösen, dahinter entscheiden aber Anza vor Proni und Kessiakoff den Sprint um Platz 8 für sich. Auch die Gruppe um Bailetti jetzt auf den letzten Metern, dort wiederum Bailetti auch vorne vor Martens, Damiano Caruso und Deignan, der ein bisschen abreißen lassen musste. Weitere abgesprengte Gruppen erreichen das Ziel.

Der Sieger der Trofeo Melinda heißt also Giampaolo Caruso, der in einem spannenden Finale letztlich doch die Oberhand behielt. Ich verabschiede mich von Ihnen mit dem Endergebnis:

01 Giampaolo Caruso (BMC)
02 Ryder Hesjedal (RRC)
03 Alessandro Bertolini (SKS) 0.04
04 Jussi Veikkanen (TSV) 0.06
05 Karsten Kroon (BMC)
06 Jackson Rodriguez (ASA)
07 Thomas de Gendt (LAN) 0.15
08 Santo Anza (SKS) 0.17
09 Alessandro Proni (RRC)
10 Fredrik Kessiakoff (TSV)
11 Paolo Bailetti (ISD) 0.29
12 Paul Martens (TSV)
13 Damiano Caruso (BBO)
14 Philip Deignan (ASA)
15 Alexandre Khatuntsev (LAN) 0.45

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